Stonewood Whisky

Drei Whiskys aus Deutschlands ältester Whiskybrennerei.

~ Zur Brennerei ~

Die älteste Whiskybrennerei Deutschlands

Diese stolze Bezeichnung führt die 1818 gegründete Brennerei Schraml nicht ganz zu Unrecht: bereits 1954 produzierte sie den Steinwald-Whisky, doch dies ist nicht der eigentliche Anfang der Stonewood-Geschichte. Denn die beginnt viel früher und ist um einiges spannender: Christoph-Karl Schraml, der Urgroßvater des jetzigen Meisters Gregor Schraml, schrieb 1898 das Rezept zu einem braunen, eichenfassgelagerten Kornbrand nieder. So war bereits Ende des 19. Jahrhunderts offenbar einige Erfahrung zu dem vorhanden, was durchaus als Grain-Whisky bezeichnet werden kann. Die Verwendung von Weinbrandfässern zur Lagerung erfolgte wohl aus wirtschaftlichen Gründen, stellt allerdings einen weiteren wichtigen Schritt dar.

Die angestoßene, fast zufällige Entwicklung mündete folgerichtig im Whisky von 1954. Dies ist ein wunderschönes Beispiel für die im Grunde erratische Geschichte des Whiskys in aller Welt, die über Zufälle, Fehler und Umwege zu unserer Lieblingsspirituose führte.

2004 dann übernahm Gregor Schraml und führte den Steinwald-Whisky auf neue Wege. So wurde er in Stonewood umbenannt – m.E. überflüssig, aber das ist ein anderes Thema – und die Range wurde erweitert. Der Stonewood 1818 Single Grain, gereift in Ex-Cognacfässern, knüpft an alte Traditionen an und es ist schade, dass wir diesen nicht probieren konnte. Aber wir danken der Brennerei Schraml für die Zusendung ihrer drei anderen Whiskys: Drà, Woaz und Smokey Monk.

Vor allem Smokey Monk und Woaz sind hervorragende Vertreter deutschen Whiskys, der seine eigenen Wurzeln und Besonderheiten betont, statt anderen nachzueifern. Wir werden sie im Folgenden detailliert vorstellen.

~ Die Whiskys ~

Stonewood Smokey Monk

Die vielleicht ungewöhnlichste Abfüllung soll auch am Anfang stehen. Der Smokey Monk führt seine Genese auf das Bedürfnis nach einem rauchigen Whisky zurück, das viele deutsche Whiskyfreunde verspüren.

Nun läge es nah, einfach Torf zu kaufen und es den üblichen Verdächtigen von den schottischen Inseln gleichzutun. Stattdessen wurde auf eine bayerische Lösung zurückgegriffen: das Trocknen des feuchten Malzes über Buchenholzfeuer, ähnlich wie beim Rauchbier. (Mir sei als Preusse verziehen, dass ich hier und im Folgenden die Oberpfalz und Franken undifferenziert unter Bayern führe). Wer einmal Rauchbier getrunken hat, weiß auch so ungefähr, welche Aromen einen erwarten.

Der Whisky reifte dann drei Jahre in einem stark getoasteten, amerikanischen Weißeichenfass und wurde mit 40% abgefüllt.

Nase

Die erste Eindruck ist erstaunlich intensiv, bedenkt man, dass der Whisky lediglich mit 40% abgefüllt wurde. Die Aromen sind recht süßlich, doch bald kommt zarter Rauch zum Vorschein. Dieser erinnert an Räucherschinken und weckt sofort Assoziationen zum Rauchbier. Obwohl der Rauch dabei wohl kaum nennenswerte PPM-Zahlen erreicht, dominiert er die Nase. Es braucht ein wenig Geduld, um dies zu verarbeiten, bevor man sich den süßen Aromen zuwenden kann. Die sind deutlich ausgeprägt, besonders die Vanille. Darunter liegen aber auch Röstaromen, sodass diese Süße nicht zu klebrig wirkt. Das hilft bei der Integration in ein durch Rauch dominiertes Bouquet. Tatsächlich funktioniert die Kombination von Vanille und Selchfleisch besser, als dies eine Beschreibung zu suggerieren vermag.

Geschmack

Im Grunde erlebt der Mundraum eine Steigerung dessen, was die Nase verspricht. Der Rauch wird jetzt gehaltvoller und erinnert noch mehr an Rauchbier; die Röstaromen verstärken sich. Auch an der süßen Front tut sich etwas, so gesellen sich malzige Noten zur Vanille, die sich geschmacklich wiederum mehr an Vanillepudding annähert. Bemerkenswert ist ein Hauch Würze, der einen interessanten Kontrapunkt setzt …

Abgang

… noch bemerkenswerter jedoch ist, dass diese Würze den Abgang bestimmt. Leider kann ich weder sagen, woher diese Würze rührt, noch könnte ich sie genauer charakterisieren. Am ehesten Muskatnuss. Der Abgang bleibt aber der Süße treu, wenngleich das Raucharoma durch eine ausgedehnte Verabschiedung die Besonderheit dieses Whiskys am Ende betont.

Gesamteindruck

Wer hier auf seine geliebten Mullbindenaromen vom Islay-Torf wartet, wird sicher enttäuscht. Rauch definieren die Oberpfälzer nach ihren Maßstäben und die sind anders. Das entstandene Geschmacksprofil hat es in sich und dürfte polarisieren – wie schon das Rauchbier, dem der Whisky seine Inspiration verdankt. Es bezeugt aber auch, dass deutsche Whiskybrenner ihren eigenen Kopf haben und den zum Denken verwenden können.

Der Smokey Monk findet meinen ungeteilten Zuspruch, gerade weil er anders und innovativ ist. Er verdient es, probiert zu werden. Dass er dann nicht in jedem Barfach landet, ist aber auch nur fair. Tatsächlich sind die Reaktionen darauf gespalten und gehen sehr bestimmt in die ein oder andere Richtung. Der Whisky polarisiert anscheindend. Umso wichtiger ist es, sich seine eigene Meinung zu bilden. Und das heißt: probieren!


Exkurs: German Smoked Whisky?

An dieser Stelle ist auch ein Vergleich zur Smoked Edition von Glina sinnvoll. Glina nämlich geht einen ähnlichen Weg, nutzt aber andere Hölzer für ihr Feuer. Vermutlich gibt es noch eine Reihe anderer Unterschiede, denn ihr Whisky unterscheidet sich vom Stonewood sehr. Glina ist weniger süß, in der Nase machen sich mehr Kräuter bemerkbar,

obwohl die Aromen von Räucherschinken beiden zu eigen sind.

Im Prinzip machen Stonewood und Glina hier eine neue Sparte auf: German Smoked Whisky. Die beiden Whiskys sind verwandt, unterscheiden sich aber wie Jura von Talisker. Es wäre interessant, diese Entwicklung weiterzuverfolgen.


Stonewood Woaz

„Wir begreifen uns ja als das Volk des Weißbieres und […] haben so getan, als würden wir eine Weißbierwürze machen, […] das [aber] nicht bis zum Schluss durchgezogen, sondern einen Whisky draus gemacht.“ – so beschreibt Gregor Schraml prägnant den Entstehungsprozess des Woaz. Dieser Whisky besteht aus 60% Weizen und 40% Gerste, vergoren mit einer Weißbierhefe. Die Reifung erfolgte dann für fünf Jahre in 300l-Fässern amerikanischer Weißeiche aus Missouri, die Abfüllung mit 43% ABV. Unser Sample ist jedoch näher an sieben Jahren Reifung, wie uns auf dem Köpenicker Whiskyfest erzählt wurde und die Umstellung auf eine offiziell 7-jährige Abfüllung erfolgt bald.

Nun ist Weizen ein durchaus vertrautes Getreides, komplementiert es doch oft den Mais im Bourbon. Auch reine Wheat Whiskeys kennt man in den USA, wenn auch nur wenige. Zumindest auf dieser Seite des Atlantiks sorgt Weizen für ein ausgesprochen rundes, weiches Profil – aber auch für eines, das Würze, Ecken und Kanten vermissen lässt. Da beim Woaz jedoch ein erheblicher Anteil Gerste dabei ist, liegen die Erwartungen anders – nicht zu vergessen die Weißbierhefe.

Nase

Die Süße reifer Früchte bestimmt den Antritt und tatsächlich ist es die Banane, die sich am deutlichsten von den anderen Aromen absetzt. Dazu kommt eine Hefenote, sodass die Analogie zum Weißbier wirklich unausweichlich ist. Nur langsam dringen frischere Fruchtaromen aus den Zitruspflanzen durch, ergänzen die reiferen Früchte wie eben Banane, Mango und Aprikose. Insgesamt ist die Nase eher zurückhaltend, aber den bleibenden Eindruck macht die Nähe zum Weißbier.

Geschmack

Auf der Zunge ist der Woaz weniger fruchtig und verliert etwas von seiner Frische, gewinnt aber in anderer Hinsicht. Er wirkt nun schwerer, erinnert an Königsberger Marzipan (vielleicht ein Reflex des vom Hersteller beschriebenen Röstmalzes) und Chalwa-Sonnenblumenkernmus. Dazu kommt jetzt auch eine Würze, die sicher vom Holz herrührt und eher im Hintergrund wirkt.

Abgang

Der Abgang ist relativ lang und bleibt in erster Linie süß. Das letzte Wort hat aber die Würze der Eiche.

Gesamteindruck

Auch wenn ich etwas auf eine deutsche Antwort zum Wheat Whiskey der USA gehofft habe, bleiben die Oberpfälzer konsequent auf ihrem Weg. Sie liefern einen Whisky, der bayerischer kaum sein könnte. Whiskyfreunde, die gern ein Weißbier trinken, müssen den Woaz einfach probieren. Hier liegt ein ebenso außergewöhnlicher wie anregender Whisky vor. Er dürfte trotz oder wegen der Weißbieranklänge gerade jene ansprechen, die süßlichen Whisky mögen.

Stonewood Drà

Der Drà ist wohl die konventionellste Abfüllung von Stonewood. Genau das ist auch beabsichtigt. Er soll ein einfach zu genießender, gradliniger Single Malt sein, wie man ihn kennt. Stonewood setzt sich hier ganz bewusst einem Vergleich aus; sie beweisen, dass sie ihr Handwerk verstehen und auch einen ‚normalen‘ Single Malt produzieren können, wie ihn die Mehrheit der Deutschen mag.

Drei Jahre (bald fünf Jahre) gereift in 225l-Fässern amerikanischer Weißeiche aus Missouri, kommt er mit 43% ABV daher. Ich habe diesen Whisky an den Anfang meiner Verkostung gesetzt, weil mir das erstens auf dem Köpenicker Whiskyfest so empfohlen wurde und zweitens, weil er das leichteste Geschmacksprofil verspricht.

Nase

Die Nase ist erwartungsgemäß delikat, mit frischen, grünen Früchten, einem blumigen Anflug von Vanille, leichtem Röstmalz und zartem Kaffee. Leider sticht der Alkohol ein wenig, was den positiven Gesamteindruck etwas trübt. Der Geruch ist dennoch gefällig genug, um als leichter Sommerhwhisky gelten zu können.

Geschmack

Die Röstaromen verstärken sich, hinzu kommt Milchschokolade, sodass der Whisky im Mund ein bisschen älter und reifer wirkt. Fehlnoten sind diesmal nicht zu entdecken. Der Drà bleibt alles in allem seiner klaren Linie treu, frisch und leicht.

Abgang

Obzwar relativ kurz, überzeugt der Abgang durch mehr Schokolade – allerdings eine, die nunmehr einen höheren Kakaoanteil hat und daher einen unerwarteten, aber willkommenen Abschied bietet.

Gesamteindruck

Ein frischer, ja einfacher Whisky. ‚Einfach‘ ist an dieser Stelle keineswegs pejorativ gemeint: Stonewood verfolgte mit dem Drà ein klares Ziel und dies haben sie klar erreicht. Der Drà ist ein wunderbarer Whisky für den Feierabend nach einem gelungenen Tag, oder für den Einstieg in einen langen Whiskyabend.

Er hat nur ein Problem, welches viele deutsche Whiskys dieser Art haben, nämlich die alteingesessene Konkurrenz aus Schottland und Irland. Es gibt ein Überangebot ähnlichen Whiskys. Das schmälert die Qualität des Drà nicht im Geringsten, macht es ihm am Markt nur nicht leicht.

Stonewood Whisky. Ein Fazit

Gregor Schraml und sein Team beweisen mit den ungewöhnlichen Abfüllungen Smokey Monk und Woaz einigen Mut. Ich betrachte sie als Schritte auf dem Weg zur Emanzipation des deutschen Whiskys vom schottischen Vorbild. Dabei greift Stonewood auf seine Wurzeln und Erfahrungen zurück, betont seine regionale Identität und schafft Whisky mit Wiedererkennungswert.

Nun stellt sich die Frage, ob so ungewöhnlicher Whisky massentauglich ist. Beim Woaz sehe ich keine Probleme und auch der Smokey Monk dürfte seine Liebhaber finden. Außerdem ist die Frage vielleicht gar nicht die richtige: deutscher Whisky ist (noch) ein Nischenprodukt, sodass weniger die Mobilisierung der ‚Massen‘ erforderlich scheint, als mehr der Aufbau einer kleineren, aber begeisterten Kernzelle von Fans. Ich glaube, dass es in dieser Hinsicht sinnvoll ist, wenn sich deutscher Whisky deutlich von der Masse abhebt. Das ist vielleicht der größte Kritikpunkt am Drà – er macht es nicht, obwohl es sich um einen guten Sommerwhisky handelt.

Insgesamt überzeugt Stonewood Whisky vor allem durch den Mut zur Einzigartigkeit. Man darf gespannt sein, wie sich die Abfüllungen mit zunehmendem Alter entwickeln und welche Ideen dem Steinwald noch entspringen werden.

Wir danken der Brennerei Schraml für die freundliche Zusendung der Samples.

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