Schokolade und Whisky

Das Traumpaar aller Genüsse.

Eine kleine Genusswelt im Sylter Hof

Dass Whisky und Schokolade zusammengehören, beweisen die überaus beliebten Tastings, in denen eben jene Paarung angeboten wird. Auf Messen sind sie meist restlos ausgebucht, viele Whiskyläden bieten sie regelmäßig an. Darüber hinaus haben die beiden neben der offensichtlichen Charakterisierung als Luxusgut und Gaumenfreude gemein, dass die Qualitäts- und Preisunterschiede enorm sind. Wie Whisky kostet auch gute Schokolade etwas mehr.

Davon konnten wir uns am 15. Februar im Hotel Sylter Hof bei einem Treffen von Schokoladen-, Wein-, und Whiskyhändlern überzeugen. Zu danken haben wir Stonewood Whisky von der Brennerei Schraml und Mathias Bsteh (Weindealer) für die freundliche Einladung.

Scheibel. Innovation und Geschichte

In Sachen Hochprozentiges gab es zwei Stände, die herausstachen: der von Mathias Bsteh, wo Schraml zu finden war, und der von Ralf Stiller, der Whiskys aus der ganzen Welt anzubieten hatte. Besonders spannend dabei war der Whisky der Scheibel Schwarzwald-Brennerei.

Scheibel ist uns schon früher durch hochqualitative Obstbrände aufgefallen, doch erst beim Verkosten einiger Prachtstücke ist uns die Vielfalt und Innovationsfreude bewusst geworden. Heraus stach u.a. die Kamin-Kirsche, ein Obstbrand, der für ein paar Monate in ausgeflammten Eichenfässern reifen dürfte und daher ein zartes, aber deutliches Raucharoma aufweist. Ein ähnliches Reifungsverfahren erfuhr die Moor-Birne und hier erinnerte der Rauch beinahe an Torf. Dies passt auch gut zum Destillat; offenbar sind Birne und Rauch eine gute Kombination. Ohne Rauch, dafür mit mehr Eiche, kommt der Wodka, den ich in der Nase kaum als Wodka erkannt hätte. Denn auch er lag im Fass und hat wunderschöne Vanillenoten, deren speziellen Charakter Karen allerdings zuverlässig als Wodka-typisch einstufen konnte. Gerade Whiskyfreunde, die sonst nicht viel mit Obstlern (oder Wodka) anfangen können, sollten bei Scheibel vorbeischauen. Es ist ein wahrer Augenöffner.

Besonders bedanken wir uns bei Ralf Stiller, der uns durch all diese Köstlichkeiten führte – inklusive natürlich dem Highlight für uns: dem Whisky. Der Emill Single Malt Whisky ist so benannt, weil Emil Scheibel der Gründer der Brennerei war und ihm früher eine Mühle gehörte (englisch: mill). Er kommt in zwei Varianten, Trinkstärke (Stockwerk) und Fassstärke (Kraftwerk).

Zunächst besticht der Whisky durch eine bombastische Aufmachung. Die Flasche ist ein schwerer Dekanter mit dickem Boden und liegt in einer edel designten Verpackung mit Magnetverschluss. Natürlich drückt das nicht gerade den Preis, aber deutscher Whisky bespielt ohnehin das Hochpreissegment. Und, was vielleicht noch wichtiger ist, deutscher Whisky muss auffallen. Mit wenigen Ausnahmen wie z.B. Slyrs kann sich er sich nicht auf den Wiedererkennungswert seiner Marke verlassen. Insofern macht Scheibel da alles richtig.

Man merkt, dass die Macher einige Erfahrung mit Fassreifung haben und die Bedeutung ordentlichen Fassmanagements erkannt haben. In vier unterschiedlichen Fassarten auf vier Stockwerken der alten Mühle wurde der Whisky gereift, wobei eines der vier Fässer ein Geheimnis bleibt. Vielleicht ist es eines, das vorher einen Obstler verfeinerte… schön wäre es jedenfalls.

Doch wie schmeckt der Whisky nun? Tatsächlich zeigt er schon einiges an Fasseinfluss, seine Jugend kann er jedoch nicht verbergen. Eine schöne, Süße von Karamell und Honig sowie Röstaromen sind sowohl dem Stockwerk in Trinkstärke, als auch dem Kraftwerk in Fassstärke gemein. Das Kraftwerk kann darüber hinaus aber mit deutlich mehr Würze aufwarten und bringt zudem seine Süße besser zur Geltung – wohl wegen des Wiederspiels mit der Würze. Da der Preisunterschied überraschend klein ist, raten wir zum Kraftwerk.

Dies sind erste Eindrücke und freundlicher Proben sei Dank wird es noch eine detaillierte Besprechung geben. Grundsätzlich aber dürfte Scheibel die deutsche Whiskylandschaft bereichern. Hoffentlich nutzen sie die Synergieeffekte, die ihnen die hauseigenen, fassgelagerten Obstbrände bieten.

Stonewood und Schraml. Ein Wiedersehen

Die 1818 gegründete Brennerei Schraml hat eine lange und bewegte Geschichte. Sie hat auch ein breites Angebot und so startete unser Tag mit einem Kaffee – der, wie sich das gehört – mit Kaffeelikör und dem Stonewood Drà-Whisky verfeinert war. So kann es losgehen.

Ebenfalls für ein Heißgetränk geeignet erschien uns der Ingwerliqueur. Er kommt mit für Likör starken 35% ABV und schmeckt ganz intensiv nach Ingwer. Das ist nicht überraschend, doch die Qualität, das Mundgefühl und die Abstimmung von Würze und Süße hinterlassen einen extrem positiven Eindruck. Zwar kann man danach nicht mehr viel anderes trinken, wenn man es pur nimmt, doch das ist kein Manko. Sowohl Karen und ich glauben, dass er sich ganz vorzüglich in einem guten Tee machen wird.

Natürlich sind wir wegen des Whiskys gekommen. Schramls Core Range haben wir hier schon gebührend gewürdigt: vom netten Einstieg mit dem Drà, über den sehr außergewöhnlichen Rauch des Smokey Monk, bis hin zum Quasi-Weißbierwhisky namens Woaz. Gerade die letztgenannten sollten Freunde deutschen Whiskys nicht verschmähen.

Das Kronjuwel in Schramls Whiskyangebot jedoch ist der 10 Jahre alte Single Grain Whisky mit dem Namen 1818. Gerade als Historiker konnte ich es kaum erwarten, ihn zu probieren. Der 1818 geht auf den fassgelagerten Kornbrand zurück, den Schraml bereits im 19. Jahrhundert herstellte. Ordentliche Erfahrung mit Fässern hat die Brennerei also. Zudem wurden damals ex-Cognac-Fässer verwendet und auch jetzt kommen wieder Limosin-Eichenfässer zum Einsatz, die früher Cognac trugen. Dass Schraml diese Tradition so konsequent ehrt, verdient einfach Lob und Anerkennung.

10 Jahre sind für einen deutschen Whisky schon eine Hausnummer und Cognac-Fässer werden so oft nicht für Whisky verwendet. Es ist auch nicht so leicht, eine Flasche zu bekommen. Auch wir haben nur eine Halbflasche erwerben können. Das Geschmacksprofil ist beachtlich: stark würzig, aber nicht ohne die (meiner Erfahrung nach) Schraml-typischen Röstaromen und Vanillesüße. Der Weinbrandeinfluss schlägt deutlich durch, vielleicht nicht immer zugunsten des Whiskys. Das werden wir noch genauer besprechen müssen und wollen. Wer die Gelegenheit bekommt, diesen im Moment noch recht seltenen Whisky zu probieren, sollte aber nicht zögern.

Karens Highlight: Die Chocolaterie Kunder aus Wiesbaden

Wer uns ansieht, dürfte denken, ich sei der Schokoladenfreund… Aber nein, das ist eher Karen. Dessen ungeachtet freute es uns beide, dass sich Klaus Keller von Kunder die Zeit nahm, uns durch das Angebot zu führen.

Selbst als stolzer Preusse muss ich zugeben, dass uns die Süddeutschen in Sachen leibliche Genüsse um einiges voraus sind. Da macht die Schokolade keine Ausnahme. Schokolade und Whisky haben ein paar Sachen gemein, vor allem dass die Preis- und Qualitätsunterschiede enorm sein können. Davon konnten wir uns überzeugen.

Kunder gibt es bereits seit 1898, damals noch als kleines Konditorei-Café gegründet. Spannend ist, dass hier das Wiesbadener Ananastörtchen erfunden wurde, das seitdem als Spezialität der Stadt gilt. Von da an war der Weg zur Pralinen- und Schokoladenmanufaktur vorgezeichnet. Heute bietet das Unternehmen neben verschiedenen Tafelschokoladen und Pralinen auch schokolierte Früchte an.

Schon die ersten Bissen machen deutlich, dass wir es hier nicht mit den üblichen Supermarkt-Schokoladen zu tun haben. Der bessere Schmelz und die zurückhaltende Süße sind selbst für ungeübte Gaumen als klar besser erkennbar. Großen Wert scheint Kunder auf die richtige Kombination von Geschmäckern zu legen, was sich unter anderem bei den schokolierten Früchten zeigt. Genau durchdacht ist, welche Frucht zu welcher Schokolade passt.

An dieser Stelle wurde mir klar, warum die Tastings von Schokolade und Whisky so beliebt sind. Wenn hier zwei hochqualitative Produkte aufeinandertreffen und gut kombiniert werden, dürfte das Geschmackserlebnis nichts zu wünschen übrig lassen. Dabei kann die Komplexität durchaus auf beiden Seiten liegen: ein vielschichtiger Whisky spielt sicher besonders gut mit einer ebenso vielschichtigen Schokolade. Ein frischer Speysider etwa sollte sich gut mit der Bitterschokolade-Cranberry-Tafel machen, die Kunder anbietet.

Viele Geschmackskombinationen sind denkbar und wir werden neben unseren eigenen Experimenten auch Ausschau nach entsprechenden Tastings halten – und nach Kunder.

Weitere Leckereien von Kaffee bis Keksen

Es gab viele weitere Highlights und nette Gespräche, so z.B. mit Klaus Berg vom Strelitzer Delikatessen- und Spezialitäten. Hier konnten wir natürlich nicht anders, als sofort die Produkte von Dean’s zu erspähen. Freilich liegt das ob der Schottlandverbindung nah, doch besonders die Kunstwerke, die die Verpackungen des Shortbreads zieren, sind einfach wunderschön. Das Shortbread selbst ist darüber hinaus sehr gut und es ist anzunehmen, dass dies für viele andere Produkte gilt. Nicht zuletzt die Whiskymarmelade ist ein Klassiker, den ich gern mag.

Ebenfalls ein wichtiger Bestandteil war der Kaffee von Schäfer’s Kaffee und auch hier ein bekanntes Bild: höhere Qualität macht sich geschmacklich bemerkbar. Eine nette Kulisse wurde auch extra für Karen angerichtet:

Oppmann Sekte und ein Abschied

Den Abend beschloss die Runde mit einem gemütlichen Tasting von Oppmann Sekt. Die Sektkellerei kann eine Reihe von Auszeichnungen vorweisen, ‘Best of Show German Sparkling Wine’ beim Internationalen Weinpreis Mundus Vini 2020 für den Gold Brut, ebenso wie Silber für den Chardonnay Brut. Nun sind wir keine Schaumweinexperten, doch zum Glück war mit Mathias jemand da, der dies von sich sagen kann. Gekonnt führte er durch die Welt des Sekts und natürlich blieb die Kehle nicht trocken.

Wenn sich ein roter Faden durch die Veranstaltung zog, dann, dass es von allen Genussmitteln höherwertige (und minderwertige) Produkte gibt. So wurde die Frage diskutiert, wie der Verbraucher gezielt zu diesen höherwertigen, aber teureren Produkten geführt werden kann. Das Problem sei nicht allein das Preisniveau, sondern vielmehr das noch mangelnde Bewusstsein für den Qualitätssprung, der damit einhergeht – und dass viele nicht einmal von diesem Qualitätssprung wüssten.

Da ist sicher einiges dran. Viele, die keinen Whisky trinken, weil er ihnen nicht schmeckt, denken da eher Queen Margot als an Royal Lochnagar… Und auf Sekt übertragen kam schnell das Beispiel Rotkäppchen auf. Das allerdings zeigt eine Facette auf: Brand Awareness und Brand Loyalty. Die Menschen, gerade in Mitteldeutschland, trinken Rotkäppchen nicht nur, weil sie nichts Besseres kennen. Die Marke hat vielmehr einen Wert, der weit über den Geschmack hinausgeht. Soziologisch steht dahinter derselbe Mechanismus, der die lächerlich hohen Preise für die mitunter doch sehr mittelmäßige Ardbeg-Sondereditionen erklärt. Deren Wert ist eben mit dem Namen, der Seltenheit und der Wertschätzung für die Marke jenseits des Geschmacks zu erklären. Dieses jenseitige Moment ist die Schwierigkeit. Hier muss der Kunde mindestens ebenso gepackt werden, denn das Qualitätsargument allein ist viel zu zweckrational gedacht.

Der Abend neigte sich dem Ende zu und so zerstreute sich die Runde, während wir mit Mathias noch ein nettes Gespräch führten. Es war eine große Freude und Ehre, mit dabei gewesen sein zu können und daher ist es nur fair, noch mal darauf zu verweisen, dass Mathias‘ Kompetenzen jederzeit in Berlin in Anspruch genommen werden können: in seinem Laden gibt es fachkundige und unterhaltsame Beratung zu allen Alkoholika.

1 Comment

  • Scheibel Emill Whisky 2. Mai 2020 at 12:51 Reply

    […] wir dank Mathias Bsteh und Ralf Stiller im Februar dieses Jahres feststellen konnten, hat Scheibel so einige Erfahrung damit, gute Brände in Fässern zu lagern. Das geht dann auch zu […]

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