Mettermalt Whisky American Style

Tolles Experiment, leider nicht ganz gelungen

Die Fesslermühle

Das Schwabenland ist eine der produktivsten Regionen unserer Republik, wenn es um Whisky geht. So nimmt es nicht Wunder, dass wir immer wieder schwäbischen Whisky erspähen, der uns bislang unbekannt war. Der Whisky aus der Fesslermill-Brennerei in Sersheim stach uns letztes Jahr auf Instagram ins Auge, weil die Etiketten gelungen sind: klassisch und edel. Größere Bekanntheit erlangte Fesslermill im Oktober 2019, als Whiskyblogger mit Rezensionsexemplaren des Mettermalt Whisky von Tobias Fessler versorgt wurden. Die Reaktionen fielen nicht unumschränkt positiv aus, aber unser Objekt der Begierde war ohnehin ein anderer Whisky der Brennerei: der American Style.

Karen und ich sind große Freunde des amerikanischen Whiskeys, ich bevorzuge ihn sogar, und daher erscheint uns der Gedanke eines deutschen Whiskys in diesem Stil sehr reizvoll. Hinzukommt, dass der Preis für einen deutschen Whisky fair ist und auch dieses Etikett einen hervorragenden Eindruck macht. Außerdem hat der Whisky bei Landesprämierung 2019 Gold gewonnen.

American Style? Eher nicht…

Was heißt American Style? Die Schwaben sehen darin wohl in erster Linie die Verwendung von Mais, das 60% der Getreidemischung ausmacht. Die anderen 40% sind Gerstenmalz. Dann wurde der Whisky für vier Jahre in einem „neuen amerikanischen Bourbonfass“ gelagert und zuletzt mit 40% ABV abgefüllt.

Denken wir an American Whisky, so denken wir an Bourbon, Tennessee und Rye Whiskey. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber im Grunde erwartet man vor allem eines: frische, ausgebrannte Fässer. Das geht nicht nur uns so, auch eine kleine Umfrage in der Instagram-Fangruppe “Drams’n’Cigars” zeigt, wie weit diese Erwartung geteilt wird. Die Wortwahl von Fessler jedoch suggeriert die Verwendung eines gebrauchten Bourbonfasses, wenn auch First Fill.

Zudem kommt guter Bourbon oft, gleichwohl nicht immer, mit weit höheren Alkoholstärken. 40% ABV bleiben oft den Bottom Shelf-Vertretern überlassen.

Zuletzt sollte der Mais nicht exklusiv mit amerikanischem Whisky in Verbindung gebracht werden. Auch für Grain Whisky, der in Irland und Schottland massenweise hergestellt wird, kommt Mais zum Einsatz.

So übermäßig American wirken die Eckdaten des American Style jedenfalls nicht und wecken erste Zweifel. Doch am Ende entscheidet, was im Glas landet.

Nase

Definitiv kein Amerikaner. Der Whisky riecht leicht und fruchtig, mit nur einem Hauch von Vanille ganz im Hintergrund. Die Früchte sind frisch und süßlich, aber schwer definierbar. Ärgerlich ist die leicht sprittige Note.

Geschmack

Die Zunge wird mit Schärfe begrüßt. Sie hat einerseits etwas von Ingwer, andererseits wirkt sie etwas unangenehm und könnte vom Alkohol herrühren. Der Whisky wirkt nun weniger fruchtig-frisch und auch weniger süßlich, dafür macht sich das Fass bemerkbar und zeigt zarte Eichenwürze. Daraus ergibt sich ein reiferer Eindruck.

Abgang

Recht kurz, was sicher am geringen Alkoholgehalt liegt, doch erneut würzig und durchaus reif.

Fazit: Lob für ein gutes, wenn auch gescheitertes Experment

Die Idee ist wirklich genial, die Umsetzung jedoch wird dieser Idee nicht gerecht. Um ehrlich zu sein, der American Style hat weniger von einem amerikanischen Whiskey und mehr von einem schottischen Grain. So gesehen ist er hinreichend leicht und fruchtig-süß, bringt sogar solide Eichenwürze mit. Nur durchkreuzt er damit genau die Erwartung, die der Name weckt und macht eine faire Bewertung umso schwieriger.

Wir haben lange über diese Besprechung nachgedacht und betrachten den American Style als gescheitertes Experiment. Experimente haben immer ihr Gutes, da sie unser Wissen mehren. Da Fesslermill ganz offensichtlich Innovation nicht scheut und ihre Kompetenz außer Zweifel steht, freuen wir uns auf den nächsten Anlauf. Den gibt es hoffentlich.

Denn eines bleibt trotz aller Kritik: ein Lob für den Wagemut der Brenner, etwas Neues zu versuchen. Das unterstützen wir bei DokorWhisky.de gern und bereuen keinen Euro-Cent, den wir ausgegeben haben.

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