Glina Triple Cask

Bester des Jahres 2019 …dank Glühweinfässern?

Neue Flasche, neuer Whisky aus Werder

Glina gehört zu den innovativsten und damit spannendsten Whiskybrennereien in Deutschland: ob Single Malt gereift in Kirschweinfässern, Rye Whisky gereift in Sherryfässern oder rauchiger Whisky, der seine Rauchnote durch Darren des Malzes über Holzfeuer erhält – Michael Schultz und sein Team trauen sich, ungewöhnliche Ideen umzusetzen.

Seit neuestem ziert Michaels Handabdruck die Flaschen der Brennerei, da seine Hand die Entstehung des Whiskys von Beginn an leitet. Tatsächlich kann nicht oft genug betont werden, dass Glina lokale Erzeugnisse für die Produktion verwendet, wie z.B. Getreide von den eigenen Feldern und Wasser aus der eigenen Quelle.

Das Triple: Marsala, Bordeaux und Glühwein

Wie viele Whiskys gibt es, die in Glühweinfässern gereift werden? Glina hat diese Idee zwar nicht erfunden, aber sie wird dennoch sehr selten umgesetzt. Hier dient sie als krönendes Finale einer ganzen Parade von Weinsorten, deren Fässer genutzt werden. Marsala ist ein Starkwein, also ein alter Bekannter in der Reifung von Whisky, der für schwer-fruchtige Aromen sorgt. Auch Rotweinfässer kommen gern zum Einsatz, machen den Whisky aber m.E. weniger süß. Und Glühwein … Ich kenne nur den Vinterglöd von Mackmyra, der so eine Reifung aufweist. Der ist erstaunlich würzig.

Darüber hinaus darf der Triple Wood seine Fassstärke behalten und kommt mit 58,3% ABV, selbstverständlich unfiltriert und ungefärbt – als bräuchte so ein Whisky künstlichen Farbstoff! Beindruckend dunkel ist er so oder so.

Anmerkung: aktuell verkauft Glina einen Triple Cask, der statt Glühweinfässern Knupperkirschweinfässer nutzt. Der sollte also etwas süßlicher ausfallen.

Nase

Dunkle, schwere Früchte dominieren erwartungsgemäß den Ersteindruck, doch sind sie überraschend trocken. Rote Trauben, Schwarzbeeren und Brombeeren scheinen in Bitterschokolade mit etwas Marzipan zu liegen. Dann allerdings kommt eine ungewöhnliche Würze durch. Ein Teil davon ist sicher hölzern, ein anderer Teil erinnert an herbe Kräuter und Chili. Daneben findet sich eine Note, die am ehesten mit schwerem Tabak, ja Teer, beschrieben ist.

Geschmack

Dieser Antritt ist der Grund, warum ich den Triple Cask so mag. Er ist mundraumfüllend und intensiv, gleichwohl seidig weich und cremig. Das Mundgefühl ist einfach großartig, trotz oder wegen der Fassstärke. Die trockenen roten Trauben, Früchte und Beeren sind nach wie vor präsent, aber das Marzipan wird stärker – dieser Eindruck mag aber auch eine Folge des cremigen Mundgefühls sein. Definitiv spürbar ist nun die Eiche, deren Würze sich aber gut mit dem Marzipan verträgt. Der Whisky ist sehr fasslastig; das gehört zu Glinas Stil.

Abgang

Wieder eine Überraschung: er ist relativ kurz. Das soll nicht negativ verstanden sein, da er auf den Punkt, trocken und würzig-süß ist. Angesichts der Stärke und Intensität des Whiskys wäre anderes zu erwarten gewesen. Aber es ist eine positive Überraschung. Zurück bleiben Tannine und Pfeffer, zusammen mit einem Hauch Karamell.

Der Beste des Jahres 2019?

Hat der Glina Triple Cask diesen erhabenen Titel verdient? Nun, zumindest was mich und meine Erfahrungen 2019 angeht: durchaus. Gerade das Mundgefühl blieb und bleibt in nachhaltig guter Erinnerung. Hinzu kommt ein ungewöhnliches, vielleicht polarisierendes Geschmacksprofil. Einzigartig jedoch ist es.

Das alles macht das Genießen des Glina Triple Cask zu einer wirklich spannenden Erfahrung. Vermutlich wird er nicht jedem als der beste Whisky gelten, aber das muss er auch nicht. Das Erleben von Whisky ist sehr persönlich. Und ich mag den mutigen Geist bei Glina, der neue Wege geht und dabei qualitativ hochwertigen Whisky abzuliefern vermag.

Hoffentlich bringt Glina mal einen klassisch bourbon-artigen Whisky, mit viel Karamell und Vanille. Davon würde ich blind eine Kiste bestellen.

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