Glina Rye Whisky 5 Jahre Sherry-Fass

Glina Rye Sherry

Roggenwürze und Sherrysüße vereint

Glinas erster Rye

Die Brandenburger Brennerei hat uns längst überzeugt. Neben ihrer Innovationsfreude sticht vor allem heraus, dass sie vom Anbau des eigenen Getreides bis zur Abfüllung des Whiskys jeden Arbeitsschritt selbst durchführen. Die Besonderheiten der märkischen Erde, die Güte des Getreides und die Grundkompetenzen des Brennmeisters Michael Schulz als Landwirt – Glina ist dem Landwirtschaftsbetrieb Schultzens Siedlerhof angeschlossen – sorgen für beste Voraussetzungen, die durch eine moderne Brennanlage und ein ausgeklügeltes Reifungskonzept mit Warmlager und Kaltlager zur Vollendung gebracht werden. Mehr darüber haben wir bei unserem Besuch erfahren.

Glina hat sich lange auf Gerste konzentriert und Single Malt hergestellt. Seit relativ kurzer Zeit ergänzt Roggenwhisky das Angebot. Derzeit verfügbar sind der Rye Classic und der fünf Jahre alte Rye aus dem Sherry-Fass; im Herbst folgt ein 12-jähriger Rye aus dem Portwein-Fass. Allein dies zeigt, dass Glina schon seit einiger Zeit mit Rye Whisky geplant hat, statt nur auf den entsprechenden Trend der letzten Jahre zu reagieren.

Interessant ist, dass der Erstling dann ein ungewöhnlicher Rye geworden ist: vollgereift in einem Sherry-Fass.

Von Brandenburg nach Berlin-Mitte

Von Rye Whisky und Sherry-Fässern

Deutscher Rye Whisky ist ein Innovationstreiber, wenn auch bisweilen unfreiwillig. Das große US-Vorbild nämlich kann nur bedingt imitiert werden, da ausgebrannte Fässer amerikanischer Eiche hierzulande eher selten sind und der Maische praktisch nie Mais mitgegeben wird. Zwar bleibt oft die Orientierung am Vorbild, aber am Ende mussten eigene Wege gegangen werden.

Glina hat das sofort erkannt und – trotz Erfahrung mit Virgin Oak, ihrem 7-jährigen Single Malt nämlich – gleich auf eine Vollreifung im Sherry-Fass gesetzt. Das ist nach wie vor recht ungewöhnlich, ergibt aber Sinn: die Würze und kräuterige Frische des Destillats auf der einen Seite, auf der anderen die schwere Süße der dunklen Früchte und ledrige Noten, die das Fass verspricht. Diese Kombination verlangt nach guter Balance beider Elemente, damit die Sinneseindrücke nicht zu weit auseinander zerren. Fünf Jahre sind für einen Rye Whisky eine durchaus beachtliche Zeit, zumal in der Vollreifung durch ein First Fill Sherry-Fass.

Die Alkoholstärke ist mit 46,1% vermutlich dieser Suche nach Balance geschuldet, da sie zwar nicht die von Glina oft verwendete Fassstärke darstellt, aber doch kräftig genug sein sollte, um den Mundraum wirksam zu füllen.

Nase

Die Aromen sind für einen Glina erstaunlich zurückhaltend – immer noch stark, aber nicht ganz so wuchtig wie die Triple Cask-Serie. Frischer Roggensauerteig, Minze und Eukalyptus weisen den Whisky klar als Rye aus, doch werden sie begleitet von einer zarten Steinobstnote und Himbeeren. Dazu pfeffrige Würze der Eiche, plus Leder und Tabak, die allerdings weit im Hintergrund.

Mit der Zeit kommt das Fass klarer zur Geltung und die Süße der Frucht wirkt reifer und dominanter, ohne allerdings die Würze des Destillats zu erdrücken. Im Gegenteil, in der Nase wirken sie hervorragend zusammen.

Geschmack

Der Mundraum ist augenblicklich gefüllt, kraftvoll drängt der Whisky an den Gaumen. Wieder ist es der Roggen, der den Ersteindruck bestimmt. Wie erwartet finden wir dunkles Brot, diesmal jedoch noch herber und mit deutlichen Röstaromen. Schokolade mit hohem Kakao und Toffee gesellen sich hinzu. Die Früchte wiederum wirken fast wie Marmelade, v.a. Pflaume und Himbeere. Für Frische sorgt erneut Eukalyptus, dazu Schnittlauch; Schärfe dagegen bringen Pfeffer und Nelke.

Hier passiert sehr viel im Mund. Am Ehesten erinnert der Geschmack an ein Frühstück: wir haben getoastetes Schwarzbrot, dessen krosse Rinde mal in Marmelade, mal in Schokolade gestippt wird. Auf dem Tisch stehen aber auch Kräuter und Gewürze, die zum Gesamteindruck beitragen.

Abgang

Langsam fließt der Whisky die Kehle hinunter, zeigt sich noch einmal von einer würzigen Seite, die dem Fass zuzuschreiben sein dürfte. Muskatnuss und Nelke verabschieden den Whisky würdig.

Damit macht sogar Politik Spaß

Fazit: einer der besten Ryes. Überhaupt

Wir fanden Glina schon immer nett, doch ihr Vorstoß in die Rye-Welt hat uns endgültig in ihren Bann gezogen. Wir lieben Rye und wir lieben deutschen Whisky. Hier kommt beides in Bestform zusammen.

Die Kombination aus Roggendestillat und Sherryfass ist so einleuchtend, dass wir in naher Zukunft deutlich mehr in dieser Richtung sehen werden dürften. Tatsächlich lässt Kyrös Rye aus dem Sherry-Fass nicht mehr zu lange auf sich warten… Neben dem Konzept überzeugt aber auch die ausgewogene Ausführung Glinas. Untypisch für Glina ist die fast feingliederige Balance hingegen. Üblicherweise tendieren die Brandenburger zu extrem intensiven Aromen, deren Wucht nur mit viel Geduld zu verarbeiten ist. Der Rye ist sehr zugänglich. Er funktioniert dank eines fairen Preises als Daily Dram ebenso wie als Mittelpunkt der gesamten Aufmerksamkeit des eigenen Sensoriums.

Für uns steht fest: der Glina Rye 5yo ist der aktuell beste europäische Rye Whisky, trotz starker Konkurrenz etwa aus dem Spreewald oder Finnland. Selbst mit den nordamerikanischen Vertretern seiner Art kann er ohne weiteres mithalten, ob seiner innovativeren Charakteristik sogar punkten. Natürlich fehlt noch ein bisschen zur absoluten Weltspitze. Aber nicht mehr viel.

Wir können diesen Whisky jedem Genießer uneingeschränkt empfehlen, er landet regelmäßig in unserem Warenkorb. Die Erwartungen an den im Herbst erscheinenden 12-jährigen Rye sind also hoch.

Fairerweise bliebe zu erwähnen, dass Glina uns mal ein Sample dieses Ryes kostenlos zur Verfügung gestellt hat – da hatten wir allerdings schon zwei Flaschen davon geleert. Auf den Photos ist unsere dritte Anschaffung zu sehen. Es wird wohl nicht die letzte bleiben.

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