Helsinki Whiskey Rye Malt

Release #7

Finnland, Roggen und Whiskey

Finnland ist vielleicht nicht das erste Land, das gemeinhin mit Whiskey assoziiert wird. Bei der finnischen Vorliebe für starken Alkohol allerdings war es nur eine Frage der Zeit, bis sich dort auch der Whiskey etablieren sollte. Inzwischen gibt es mindestens zwei bekannte Brennereien und eine davon ist die Helsinki Distilling Company, direkt in der Hauptstadt.

Seit 2014 stellt die HDCo Whiskey her, vornehmlich aus dem in Finnland beliebten Roggen, aber auch aus gemälzter Gerste. Inzwischen hat sich das Portfolio auch um eine Maische aus Mais erweitert. Insgesamt wirkt das Angebot der Brennerei modern und vor allem eigenständig. Rye Malt etwa ist noch eine weniger häufig anzutreffende Art Whiskey, da sie in den Mutterländern des Whisk(e)ys eher untypisch ist. Die Finnen, voran Master Distiller Mikko Mykkännen, legen dabei großen Wert auf gut ausbalancierte Whiskeys. … jedenfalls ist dies auf ihrer Website sehr oft zu lesen.

Bislang sind nur Klein- und Kleinstserien erhältlich. Der hier zu besprechende Whiskey mag schon gar nicht mehr verfügbar sein. Die Flaschen sind einzeln nummeriert und signiert von Mikko Mikkännen. Und sie sehen wunderschön aus. Das Design mit den abgerundeten Kanten und dem schweren Boden macht Eindruck, so auch die minimalistischen Etiketten.

Rye Malt, Release #7, Flasche 3502 von 3750

70% Roggen und 30% gemälzte Gerste, gereift in 200l fassenden ex-Bourbonfässern und frischen Fässern aus amerikanischer Eiche, versprechen in der Tat einen sehr balancierten Whiskey. Roggen sorgt für Würze, gemälzte Gerste bringt die Weichheit, ebenso die frische Eiche, die außerdem ordentliche Süße gibt, und zuletzt kann das ex-Bourbonfass zusätzliche Tiefe hinzufügen, je nach Benutzung sogar Tannine.

Die Fässer wurden unterschiedlich stark ausgekohlt; die Char Levels decken das gesamte Spektrum von 1 bis 4 (Alligator) ab. Selbst die Trinkstärke von 47,5% ABV passt ins Bild, denn sie ist stark genug, um Aromen zu transportieren, überfordert aber niemanden.

Etwas skeptisch stimmt das Alter, das bei kaum mehr als 3 Jahren liegen dürfte. Erfahrungsgemäß aber ist das bei der Kombination von Roggen und frischen Fässern kein größeres Problem. Überhaupt entscheidet die Qualität des Fasses und der Lagerung wesentlich mehr als die reine Lagerzeit.

Diese Art des Whiskeys verspricht einiges. Viele junge Whiskeys setzen eher auf Kraft und massiven Fasseinfluss, als auf Balance. Ob dieser Drahtseilakt gelingt?

Nase

Roggen und Eiche dominieren den Ersteindruck. Ofenfrisches Schwarzbrot und Vanillecreme entsprechend weitgehend den Erwartungen. Hinzu kommen deutlich Pinie und nasses Nadelgehölz, sodass der Whiskey nicht übermäßig süß wirkt, obwohl direkt dahinter Honig folgt. Die Nase ist nicht übermäßig komplex, aber durchaus ansprechend.

Geschmack

Zu loben ist der sanfte und gleichzeitig doch vollmündige Antritt. Jetzt schlägt auch eine fast feurige Würze durch, besonders Pfeffer, die sich gut mit dem nach wie vor dominanten Schwarzbrot verträgt. Doch auch die süßen Eindrücke werden gestärkt. So finden sich Karamell, kandierte Früchte und Bitterschokolade im Konzert mit den feurigen Gewürzen und dem Schwarzbrot. Keine Seite gewinnt die Oberhand. Ob man dies als balanciert oder unentschieden wertet, sei jedem selbst überlassen. Wir tendieren allerdings zu ‚balanciert‘.

Abgang

Er bleibt sehr lange – überraschend lang für unter 50% ABV. Balanciert ist er dabei aber ganz sicher nicht mehr, denn die Würze steht eindeutig im Vordergrund. Ganz sachte deutet sich Honig im Hintergrund an, ist eventuell gar nur eine Reflektion des in der Nase viel deutlicheren Honigs.

Fazit: Rye Whiskey in Balance

Es ist ein junger Rye, der Würze und Süße gut miteinander vereint. Weder kommt er zu würzig daher, noch zu süß; weder zu wuchtig, noch zu schwach. Er ist relativ gradlinig in seinem Geschmacksprofil, wartet mit nur wenigen Überraschungen auf.

Gerade das muss aber kein Malus sein, sondern kann sogar ein Bonus sein. Denn bereits in jungen Jahren überzeugt dieser Whiskey, ohne dass er Schnickschnack oder Gimmicks nötig hätte. Ich weiß nicht einmal, ob er wirklich mehr Zeit im Fass bräuchte, da jugendliche Fehlnoten nirgends erkennbar waren.

Der Release #7 ist eine exzellente Visitenkarte für die Finnen, die selbst konservative Whiskyfans – d.h. in Deutschland die krasse Mehrheit – nach mehr Whiskey von der HDCo verlangen lassen wird.

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