Spreeside Whisky

Die Whisky-Messe am Holzmarkt, 11. Mai

Am 10. und 11. Mai fand zum zweiten Mal die Spreeside Whisky-Messe in Berlin statt. Am zehnten waren wir zwar in Rüdenau, zur Premiere des ersten Single Malts von St. Kilian, doch am elften besuchten wir die Spreeside.

Der Holzmarkt an der Spree ist eigentlich eher als Clubgelände bekannt und versprüht entsprechenden Charme. Das zeigte sich in der mitunter fragwürdigen Belichtung der Räumlichkeiten. Es sei aber vermerkt, dass ich kein Clubgänger bin und andere dieser Art von Location vielleicht etwas aufgeschlossener gegenüber stehen. Trotzdem: wir lagen direkt an der Spree. Da hätte sich mehr machen lassen, auch wenn das Wetter im Mai nicht immer verlässlich ist.

Das Wichtigste sind natürlich die Aussteller. Unabhängige Abfüller wie der Whisky-Druide, lokale Shops wie Ginza, Pinkernells und Fuchs, Unternehmen wie Borco und Sierra Madre, und auch Brennereien wie Mackmyra waren vor Ort. Trotz einer relativ kleinen Ausstellerzahl ist damit für fast jeden Geschmack etwas dabei gewesen, aus aller Herren Länder, von exklusiven Einzelfassabfüllungen bis hin zu günstigen Einsteigerangeboten.

Von Hedonisten und Revolutionären

Unsere Tour startete bei Ilka und Kai von Ginza-Berlin, ein Shop für japanische Spirituosen, benannt nach einem Vergnügungsviertel in Tokyo. Wir haben die beiden auf dem Craft Spirits Festival kennengelernt und fanden sie direkt so sympathisch, dass wir ein langes und entspanntes Gespräch mit ihnen führten. … Und glatt vergaßen, Photos zu machen. Damals dürfte Ginza keinen Whisky mitbringen, das war diesmal natürlich kein Problem und so gebührte die Ehre des ersten Whiskys dem Suntory Special Reserve. Der eignet sich auch gut für einen Start, da dieser Blend mild und rund ist, wie man es von einem Japaner erwartet. Die Fruchtigkeit der Nase und die Süße auf der Zunge werden dabei durch etwas Würze im Abgang komplementiert. Durchaus zu empfehlen!

Ilka und Kai von Ginza-Berlin

Sehr nett war auch, dass Ilka uns mit Gregor und Sebastian von der Spirituosenschmiede bekannt machten. Die nämlich stellen den Freiheit 1848 Whisky her: deutscher Whisky aus dem Spessart, gereift in der Spessarteiche. Er ist zwar noch etwas jung, aber überzeugte mich dennoch mit einem schönen Mundgefühl und einem überraschend langen Abgang. Hier zeigt sich mal wieder, wie wichtig ordentliche – und gern auch ausgefallene! – Fassreifung ist.

Destillateurmeister Gregor Thormann von der Spirituosenschmiede

Außerdem bin ich begeistert vom Branding. Der Whisky hat einen klaren regionalen und historischen Bezug, da er an einem der Angangspunkte der Deutschen Revolution von 1848 gebrannt wird, dem Hotel „Zum Halben Mond“. Überhaupt hat die Geschichte von Spirituosen im Allgemeinen und Whisky im speziellen ein klar anti-monarchisches bzw. anti-elitäres Moment, insofern ist der Bezug auf 1848 doppelt passend. Als Historiker und Whiskyfan spricht mich das natürlich 100% an.

Oh, Canada

Danach gingen wir zu einem Tasting von kanadischem Whisky. Spätestens seit Jim Murrays berühmtem Urteil über den Northern Harvest Rye weiß jeder, dass auch Kanada einiges zu bieten hat. Interessant ist für uns vor allem die Vielfalt des Angebots, auch im Tasting, gewesen. Annika von Borco führte gekonnt durch eine Auswahl von Whiskys, die verschiedene Ausdrucksformen kanadischen Whiskys abdeckte. Neben einem 10- und einem 18-jährigen J.P. Wiser’s gab es einen Lot40 Rye Whisky und einen Pike Creek, der in Rumfässern reifte.

Canadian Tasting

Karen fand gerade den Pike Creek überzeugend, weil er wirklich extrem süß ist. Normalerweise stimmen ihr und mein Geschmack da überein, doch mir war er schon fast zu süß. Mein Favorit war eher der Lot40, der kraftvoll Würze mit Süße verband und dabei eine frische Kräuternote hatte. Umso mehr freute mich, dass Annika auch noch eine fassstarke Abfüllung des Lot40 zur Verkostung anbot. Der war natürlich noch eine Nummer besser.

Insgesamt war es eine lohnende Erfahrung, da wir uns ohne dieses Tasting und Annikas Tipps sicher nicht so mit kanadischem Whisky beschäftigt hätten – und uns damit etwas entgangen wäre. Dafür bedanken wir uns ganz herzlich.

Die Schwaben, eine Pause und ein YouTube-Star

Dann ging es wieder nach Deutschland, genauer: ins Schwabenland. Dort beheimatet ist der Tecker, der seit Jahrzehnten eine Größe auf dem deutschen Whiskymarkt ist. Neu für uns war Danne’s Whisky. (Ja, leider verzichtet man nicht auf den Apostroph). Der setzt ebenfalls auf lokale Erzeugnisse, wobei neben deutscher Eiche auch amerikanische Eiche und andere (Sherry, Port, Brandy usw.) zur Reifung verwendet werden. Am interessantesten fanden wir eigentlich die Maische des Woiza ond Rogga Single Grain, also Weizen und Roggen – eigentlich zwei Getreidesorten mit sehr unterschiedlichen Geschmacksprofilen. So ganz stimmig erschien mir das Konzept noch nicht, zumal die vielen Fässer die Linie in der Reifung nicht ganz klar durchscheinen lassen. Die Grundidee, v.a. hinter dem Woiza ond Rogga halte ich aber für vielversprechend, sehr sogar. Mich würde tatsächlich brennend interessieren, wie der schmecken würde, kämen nur frische Fässer zum Einsatz. Ich wünsche jedem deutschen Whiskybrenner alles Gute, der etwas Neues wagt.

Der Stand von Danne’s Whisky

Danach genehmigten wir uns eine Pause und sahen uns den Trouble von oben an. Witzigerweise wirkte die Belichtung der Messe aus dieser Perspektive recht harmonisch. Erspähen konnten wir dabei einen kleinen YouTube-Star, der in der deutschen Whiskywelt freilich ein gestandener Superstar ist: Jason. Er ging reih um und interviewte einige Aussteller. Die Videos könnt ihr auf seinem Kanal sehen. Sehr empfehlenswert!

Messe-Wimmelbild

Deutscher Whisky, Teil 3: Glina

Glina kannten wir schon, denn ich hatte Karen zum Geburtstag spontan einen Glina Whisky geschenkt, der in Knupperkirschweinfässern reifte. Wir waren beide überrascht, wie gut der schmeckte. Einzigartig, süßlich und dabei mild, ohne eine Spur von unangenehmer Jugend.

Grund genug für uns, den Whiskybrennern aus Werder an der Havel einen Besuch abzustatten. Und da erkannten wir schnell, warum die so gut sind. Es beginnt beim Getreide, das auf den eigenen Feldern angebaut wird und beim Wasser, das aus der eigenen Quelle stammt. Auch die Fässer kommen aus der Umgebung, vom Böttchermeister Messerschmidt in Neu-Zittau. Die Fässer wurden, bevor sie zum Whiskyreifen verwendet werden, oft mit den eigenen Produkten belegt – z.B. eben dem Kirschwein. Freilich bezieht sich auch der Name des Whiskys auf die Geschichte der Region, nämlich die ursprünglich slawische Besiedlung.

Und es fehlt nicht an Mut. Beeindruckt hat mich die Smoked Edition. Hier liegt kein Peated Whisky vor, da das Raucharoma nicht durch Torf erreicht wird. Stattdessen räuchern die Brandenburger ihr Getreide über dem Holz der Buche, Kirsch- und Zwetgschenbäumen. Die daraus entstehenden Aromen suchen ihresgleichen. Mich erinnerte es sofort an Räucherschinken. Natürlich muss man dies mögen – Karen tut das explizit nicht, sie hält sich an die süßen Abfüllungen – aber diese Experimentierfreude und das Ergebnis können sich sehen lassen.

Auch die Nachricht, dass bald ein Roggenwhisky folgen wird, freute mich ungemein. Ich finde, Rye sollte die charakteristische deutsche Whiskysorte werden. Aber selbst wenn man da geteilter Meinung sein darf, verspricht allein die bisherige Qualität einiges.

Mut, Herzblut, regionale Verankerung machen Glina zum heißen Geheimtipp in Sachen deutscher Whisky. Zurzeit liegen die Platzhirsche im Süden der Republik: St. Kilian und Slyrs in Bayern, Tecker und Finch in Schwaben. Brandenburg könnte in absehbarer Zeit einen ebenso prominenten Platz auf der deutschen Whiskylandkarte beanspruchen.

Eine Biene beim Fuchs, klassischer iro-schottischer Whisky

Irischen Whisky gab es bei Thilo Fuchs, doch haben wir die Gelegenheit eher zu einem netten Gespräch genutzt. Begleitet wurde dies durch Thilos eigenhändig kreierten Whiskylikör Das Geheimnis der Biene. Dass Karen Whiskyliköre mag, kann niemanden überraschen, der sie kennt. Allerdings hatte die Biene auch einiges für sich. Selten habe ich einen Likör gesehen, der so geschickt Whiskygeschmack, Honigsüße und Kräuteraromen verbinden und ausbalancieren kann. Von diesem Getränk abgesehen scheint der Old Fox Gin recht beliebt gewesen zu sein …

Fuchs und Häschen

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, der klassische irische und schottische Whisky interessierte uns auf der Spreeside weniger. Das heißt aber nicht, dass es dort keine exzellenten Angebote gegeben hätte. Michel der Whisky-Druid mit seinen Einzelfassabfüllungen ebenso wie Claxton bei Pinkernells stachen positiv hervor.

Whisky Druid

Die Iren kamen am Stand von Sierra Madre zum Zug. Dort probierten wir einige recht neue Abfüllungen der jungen Great Northern Distillery. Da merkte ich auch, wie klein die Welt sein kann, da ich mit dem Distilling Director David Hynes keine 12 Stunden zuvor noch in Rüdenau geplauscht hatte. Überzeugt hat uns der Kinahan’s KASC-Project. Dieser Whiskey nämlich reifte in … Hybridfässern. Will heißen, einige typische und untypische Fässer wurden auseinander genommen und die einzelnen Dauben zu einem neuen Fass zugesammen gebaut. Auffallend sind dabei die ungarische Eiche und die Kastanie (auch dies eine Verbindung nach Rüdenau). Dies macht den Whiskey komplexer, als sein junges Alter suggeriert. Eine ausführliche Besprechung folgt, denn Karen hat der KASC so gefallen, dass er flugs gekauft wurde.

Ebenfalls bemerkenswert war der englische Whisky von Adnam’s. Gerade der Rye Malt ist wesentlich trockener und weniger süß als man dies von den amerikanischen Ryes gewohnt ist. Außerdem mag ich das Flaschendesign sehr.

Ein Abschied und eine Rückschau

Um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen, sahen wir noch einmal bei Ginza vorbei, um uns von Ilka und Kai zu verabschieden. Wie es der glückliche Zufall so wollte, war auch Gregor von der Spirituosenschmiede gerade da. Das ergab noch mal ein lustiges Plaudern.

Gregor, Kai und Ilka (v.l.n.r.)

Wir hatten viel Spaß auf dieser Messe. Auch wenn die Zahl der Aussteller nicht übermäßig beeindruckend war – tatsächlich scheint die sie gegenüber dem letzten Jahr zurückgegangen zu sein – ließ die gebotene Vielfalt wenig zu wünschen übrig. Etwas mehr Bourbon hätte mich gefreut, doch gerade wer sich für deutschen Whisky interessiert, wurde auf der Spreeside nicht enttäuscht.

Daher wünsche ich mir für zukünftige Iterationen eigentlich nur zwei Dinge: Erstens, dass sie die Nähe der Location zur Spree besser einbinden und zweitens, dass sie sich gezielt um deutsche Brennereien bemüht. In jedem Fall freuen wir uns auf eine dritte Spreeside!

Sláinte!

1 Comment

  • Glina Smoked Edition 31. Juli 2019 at 16:50 Reply

    […] der Spreeside Whiskymesse statteten wir den Machern von Glina einen Besuch ab und waren vollends überzeugt. Sie haben einen […]

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