Betz Single Malt Whisky

The New German Art

Betz. Eine Traditionsbrennerei auf neuen Whisky-Wegen

Gegründet 1895 von Andreas Betz, dem Urgroßvater des jetzigen Inhabers Uli Betz, liegt die Destillerie Betz etwa 50km östlich von Stuttgart in einer malerischen Gegend. Nun mag so manch einer fragen, ob es denn wirklich noch einen weiteren deutschen Whisky aus dem Süden braucht. Darauf gibt es eine klare Antwort: Ja. Denn erstens freuen wir uns immer über neuen Whisky und zweitens, wichtiger, macht Betz einiges anders.

Als erstes springt das Demeter-Zertifikat der Brennerei ins Auge, ein althergebrachter und hochwertiger Bio-Standard. Aber für uns ist der Geschmack entscheidend und auch hier hat Betz etwas zu bieten. So entstand die Idee zum Single Malt nicht aus einer Bierlaune heraus, oder um auf den (inzwischen längst vergangenen) Whiskyhype zu reagieren. „Bauernwhisky“, wie es Uli Betz nennt, wurde dort schon in der Nachkriegszeit gebrannt, also fassgelagerter Getreidebrand. Ab 2014 folgten dann die ersten ernsthafteren Versuche zum Single Malt und erst als Betz mit der Malzmischung von Weyermann zufrieden war, wurde das erste Fass befüllt. Das war 2016, nach einer Reihe von Experimenten.

Wichtig ist ihm ein schonender Brennvorgang und dass die Maische nicht abgeläutert wird. Das Abläutern bezeichnet die Trennung der Würze der gelösten Gerste von den ungelösten Malzschrotbestandteilen, sogenannten Trebern. Es ist ein Standardverfahren beim Bierbrauen und Whiskybrennen gleichermaßen, da die festen Treber hartnäckige Rückstände bilden können. Betz behält jedoch auch sie bewusst bei, um noch mehr aus der Gerste zu gewinnen.

Ebenfalls bemerkenswert ist der grundsätzliche Verzicht auf Fass-Finishes. Stattdessen wird das Destillat zum Whisky in den jeweiligen Fasstypen vollgereift und anschließend werden die Whiskys miteinander verschnitten (Blending). So bekommt die beim Single Malt etwas irritierende Bezeichnung Master Blend Sinn. Allerdings bezieht sie sich vielleicht auf die Malzmischung…

Flüssiger Sonnenschein…

Eine schöne Flasche und vier Fässer

Die Flasche besticht durch eine edle Optik, klares Design und überhaupt eine Hochwertigkeit, die wir uns wünschen. Whisky ist ein Genusserlebnis und das Auge trinkt mit. Dennoch zählen die inneren Werte und hier die klingen die Eckdaten gut.

Nach dreieinhalb Jahren mit 46% durchaus ausreichend stark abgefüllt, wurden vier Fasstypen für die Reifung verwendet. Außergewöhnlich ist das Hybridfass, das mit Dauben aus amerikanischer und Deckeln aus französischer Eiche hergestellt wurde. Dazu kommt frische, amerikanische Eiche, ausgebrannt auf Level 3 Char, und gebrauchte amerikanische Eiche. Zuletzt verrichtet auch ein PX-Sherry-Fass sein Werk.

Es scheint eine deutsche Eigenart zu sein, viele Fasstypen zu mischen. St. Kilian, Glina, Elsburn, Stork – viele der hiesigen Topbrennereien haben Whisky im Angebot, der mindestens in drei verschiedenen Fasstypen reifte, gern  in mehr. Es wirkt bisweilen verspielt, experimentell oder eben eklektisch. Manchmal ist klar zu erkennen, warum. Manchmal nicht.  Dem Tasting begegnen wir also mit Spannung.

Nase

Zurückhaltend, delikat und floral – zu Beginn ist dies wirklich ein ganz zartes Pflänzchen. Mit etwas Zeit entfaltet er sich mehr und zeigt eine erstaunliche Vielfalt an Aromen. Eine gewisse, junge Malzigkeit und Grasigkeit, aber auch immer kräftiger werdende Vanille und Haferkeks. Einen Kontrapunkt setzen Gewürznuss und dunkles Kakao.

Geschmack

Für 46% ist der Whisky überaus gehaltvoll, füllt den Mundraum ohne weiteres. Und der erste Eindruck ist wieder die junge Malzigkeit, diesmal jedoch viel massiver und dominanter. Das ist wohl der Destillatscharakter, der unzweideutig zum Ausdruck kommt. In der Form konnten wir das noch nicht erleben. So gut kann Jugend im Whisky schmecken, denn von Fehlnoten ist weit und breit keine Spur.
Und es passiert noch mehr. Der Kakao wird etwas süßer, fast wie Milchschokolade; die Nuss milder und fetter, wie Cashew. Etwas Honig trägt zum süßeren Geschmacksprofil bei. Nur ein Minimum an Pfeffer gibt die Würze.

Abgang

Erwartungsgemäß lang und vielleicht gibt endlich die französische Eiche ein Lebenszeichen von sich, nämlich Tannine ganz am Ende. Die passen aber unglaublich gut zum frischen Gesamteindruck, dazu ein Hauch Orange.

Wieder guter Whisky aus Deutschland

Fazit: bitte mehr davon, aber…

Der Erstling von Betz überzeugt in mehrerer Hinsicht: geschmacklich durch sein süß-malziges Profil, optisch durch die schöne Flasche und sogar der Preis ist fair. Freunde des deutschen Whiskys sollten daher unbedingt den Betz probieren und die Brennerei weiter im Auge behalten. Es wird an weiteren spannenden Projekten gearbeitet, wie einem Rye Whisky, einem deutschen Bourbon oder einem getorften Malt. Da ist für jeden was dabei. Und dass das Handwerkszeug vorhanden ist, bezeugt der hier besprochene Whisky eindrucksvoll.

Der klare und angenehme Destillatscharakter ist vielleicht eine Folge der Entscheidung, die Gerste nicht abzuläutern, jedenfalls haben wir selten so schönes Gerstenmalz gekostet. Die Fässer hingegen haben sicher gewirkt und für einen runden, vollen Geschmack gesorgt. Doch genau bestimmen lässt sich dieser Einfluss auf der Zunge nur schwer. Zu selten sind die Einflüsse der verschiedenen Hölzer genau fassbar; ein wenig verschwimmen sie. Ein nur in einem Fasstyp gereifter Whisky wirkt oft ehrlicher und hilft, die Charakteristik der Brennerei zu verstehen – auch wenn er nicht unbedingt die Krone der Whiskyschöpfung ist.

Das ist letztlich eine philosophische Frage und von persönlichen Vorlieben bestimmt. Die bringen wir als Rezensenten gern ins Spiel, aber genauso gern überlassen wir es den Machern in den Brennereien, wie sie ihren Whisky gestalten. Und weil uns das Endprodukt so oder so zugesagt hat, macht Betz wohl irgendwas richtig gut.

Achtung: die Flasche wurde uns von Uli Betz kostenlos zur Verfügung gestellt.

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