Betz Single Malt PX Single Cask

Betz PX

Ein Mann, ein Fass

Neues aus dem Hause Betz

Letzten Sommer haben Uli Betz und seine über 130 Jahre alte Brennerei ihren ersten Whisky präsentiert. Ein klares Konzept, Offenheit für Anregungen und Kritik von allen Seiten sowie handwerkliche Sicherheit sorgten für einen gelungenen Einstand. Unsere Rezension fiel, wie die meisten anderen, positiv aus. Im Grunde hat Betz die eigene Tradition des von ihm „Bauernwhiskys“ getauften, fassgelagerten Getreidebrandes wiederbelebt und modernisiert.

Nicht nur der Single Malt, also der Gerstenwhisky, liegt Betz am Herzen. Auch andere Getreidesorten werden noch zum Zuge kommen: Roggen (Rye Whisky), Mais (Bourbon – auch wenn Betz aus rechtlichen Gründen Abstand von dieser Bezeichnung wird nehmen müssen) und anderes (bei Süddeutschen erwartet man irgendwie Dinkel…).

Diese Vielfalt und Offenheit ist es, was deutschen Whisky auszeichnet. Dazu gehört natürlich auch, bewährte Konzepte umzusetzen, hier klassisch das PX Single Cask.

Der Klassiker unter den Whiskyreifungen

Gradlinigkeit

Ein einzelnes Fass zur Reifung bringt Klarheit und Gradlinigkeit. Wir begrüßen dies, auch wenn wir der Kunst des Blendings und Finishings durchaus zugetan sind. Tatsächlich war damals die Vielzahl an Fässern, die für die Reifung des Erstlings verwendet wurden, unserer einziger substantieller Kritikpunkt.

Umso mehr sind wir froh, dass Betz für seinen zweiten Whisky ein einziges Fass ausgewählt hat: Pedro Ximenez Sherry. In Deutschland sind Sherryreifungen mit ihren dunklen, rotfruchtigen Aromatik beliebt, insofern könnte er kaum eine bessere Wahl getroffen haben. Dies verbindet sich hoffentlich mit dem deutlich süß–malzigen Charakter des ersten Single Malts.

Der Single Cask bleibt bei einer Trinkstärke von 43% ABV, sodass er auch für Whiskyeinsteiger recht zugänglich sein sollte. Mehr ABV sind natürlich der ständige Ruf erfahrenerer Whiskyfreunde und Betz wird dem sicher auch noch nachgehen. Doch eins nach dem anderen.

Nase

Intensiver Sherry trifft die Nase mit den zu erwartenden Früchten wie süße, überreife Kirsche und gekochter roter Apfel. Dazu kommen viel Kakao und etwas Leder. Mit der Zeit bricht die frische Malzigkeit und Grasigkeit durch, die auch den ersten Betz kennzeichnete und jetzt einen wirksamen Kontrapunkt zu den schweren Sherryaromen bietet.

Geschmack

Auch auf der Zunge lässt der Sherryeinfluss nicht auf sich warten, neben den Früchten fällt aber erneut besonders der Kakao auf. Diesmal geht er stark in Richtung Bitterschokoloade und harmoniert ganz vorzüglich mit der Kirsche. Das frische Malz verschwindet aber nicht. Überraschend ist ein Hauch Eichenwürze, der eigentlich bei deutlich älteren Whiskys zu erwarten wäre.

Insgesamt ist es trotzdem ein leichter Whisky, bisweilen an der Grenze zum Dünnsein – zu dünn wirkt er jedoch nie. Dafür sind die Geschmäcker zu deutlich. Am ehesten wäre der Whisky als süffig zu bezeichnen.

Abgang

Leicht ist er auch im Nachklang, der dafür allerdings beachtlich lang ist. Es muss ein gutes Fass gewesen sein.

Dunkler Whisky

Fazit: Deutscher Daily Dram für Sherry-Fans

Der PX Single Cask leuchtet als strategische Entscheidung ein, da er die deutsche Vorliebe für Sherryreifung bedient, zugleich aber extrem zugänglich bleibt. Er vermengt zudem gekonnt die sherrytypischen Geschmäcker mit einem offenbar durchsetzungsstarken Destillat. Dass es sich um einen sehr jungen Whisky handelt, gibt dem Destillat natürlich noch mehr Raum. Dessen Charakter fällt jedenfalls angenehm auf.

Tatsächlich hat Betz damit den größten Schwachpunkt seines ersten Whiskys, die bisweilen eklektisch wirkende Fassauswahl, beseitigt. Am Ende steht ein junger, aber ehrlicher Whisky. Und das ist nicht selbstverständlich. Allzu oft dient ein Sherryfass dazu, Schwächen durch starke süße Aromen zu überdecken. Hier hingegen überzeugen ruhige Harmonie und Balance.

Da das Gesamtpaket stimmt, darf eine Empfehlung ausgesprochen sein. Aber vor allem steigert es die Vorfreude auf das, was uns noch erwartet. Wir behalten Betz genau im Auge.

Achtung: die Flasche wurde uns von Uli Betz ohne weitere Verpflichtung zugesandt.

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