Nine Springs Rye Whiskey

Rye mit Chili Catch

No 9 Spirituosenmanufaktur und der deutsche Roggen-Whisky

Die neun Quellen der Hahle nahe Worbis, Thüringen, sind als Nine Springs in der deutschen Whiskylandschaft fest verankert. Das betrifft sowohl die No 9 Spirituosenmanufaktur selbst als auch die Whiskyburg Scharfenstein, die ein beliebter Veranstaltungsort ist. Seit 2013 brennt die Manufaktur Whisky und gehört damit zu den jüngeren Herstellern in Deutschland.

Noch jünger datiert ihre Entscheidung, Whisky aus Roggen herzustellen, der erste Nine Springs Rye Whiskey kam 2020 auf den Markt. Diese Entscheidung begrüßen wir als Rye-Fans und als Freunde des deutschen Whiskys allgemein. Denn die heimischen Vertreter des Ryes haben binnen kürzester Zeit international konkurrenzfähiges Niveau erreicht. Zudem sollte trifft das herb-würzige Geschmacksprofil des Roggens den Geschmack im Lande des Schwarzbrots treffen. Unseres jedenfalls trifft es.

Schon optisch unterscheidet sich der Rye Whiskey von seinen Single Malt-Geschwistern der Manufaktur. Er kommt in einer schlicht eleganten, eckigen Flasche mit ebensolchem Etikett, während die Single Malts in runde Flaschen gefüllt sind. Auch das gefällt: Rye hat eben, anders als so mancher Single Malt, Ecken und Kanten…

Ecken und Kanten

Straight Rye Whiskey?

„’Straight’ … ist nicht eine Bezeichnung in Deutschland“, waren Jason Stovers erste Worte, als er den Namen des Whiskeys las. Als gebürtiger Amerikaner dachte er freilich an die US-Gesetze, die für einen Straight Rye Whiskey u.a. vorschreiben, dass er mindestens vier Jahre reifen muss, sofern nicht ein jüngeres Alter auf dem Etikett angegeben ist. Tatsächlich hat der Nine Springs Rye ein Alter von vier Jahren und generell dürfte er in den USA als ‘straight’ gelten.

Wenn ich deutsche Whiskyhersteller dafür kritisiere, dass sie sich unnötig an schottische Nomenklatur klammern, muss ich der Fairness halber dieselbe Kritik auch bei amerikanischer Nomenklatur vorbringen.

Rein konzeptionell gibt es allerdings nichts auszusetzen. Diese Art Whiskey hat nicht umsonst die Herzen unzähliger Fans erobert. Das würzige Roggendestillat verträgt sich blendend mit den Aromen der frischen Eiche. Und gerade bei den ersten Gehversuchen in Sachen Rye Whiskey kann es nicht schaden, sich an große Vorbilder zu halten. Die kommen nun mal aus den USA.

Noch.

Nase

Zu Karamell schmelzender Zucker, Honig, Zuckerwatte – hier schlägt eindeutig das frische Fass durch. Es bleibt jedoch ein leichtes Bouket. Dezente Aromen von Zitronengras und Salbei unterstreichen diese Leichtigkeit, die manchen Ryes zu eigen ist. Steht er länger im Glas, zeigt sich noch mehr Rye-typische Würze in Form von Nelke und Koriander.

Geschmack

Der Antritt ist seidig weich und verrät nichts von den 46% ABV. Der Whiskey nimmt sich seine Zeit bevor er den Mundraum füllt. Als erstes dominieren wieder die süßlichen Noten, besonders Karamell, doch dann übernimmt mit einem Schlag kräftige Würze.

Die Nelke ist viel stärker präsent, wird von Zimtrinde und weißem Pfeffer begleitet. Fast feurige Schärfe folgt und wird nur von dunkler Schokolade etwas eingehegt. …Horst Lüning spräche hier wohl von einem Chili Catch.

Abgang

Der Feuerstrom rollt genüsslich die Kehle hinunter, doch ganz am Ende kommt wieder die zarte Leichtigkeit der Nase mit milder, zitroniger Frische zum Vorschein.

Fazit: ein echt guter Rye, aber…

Das ist Rye Whiskey, und zwar ein wirklich gelungener. Bei einem Preis von knapp 30€ darf umso mehr Lob ausgesprochen werden. Er kommt dem amerikanischen Archetyp sehr nahe und bringt all die dabei zu erwartenden Qualitäten mit. Allenfalls wirkt er balancierter als viele der amerikanischen Vertreter. Die schwere, karamellige Süße vom Fass harmoniert mit dem Roggendestillat, das hier geradezu leichtfüßige Frische mitbringt. Die meisten US Ryes sind doch etwas schwerer in ihrer Süße und herber in ihrer Würzigkeit. Im Grunde schlägt der Nine Springs Rye mit seiner Machart aber in dieselbe Kerbe.

Diese konzeptionelle Nähe ist letztlich auch der einzige substantielle Kritikpunkt, so es denn überhaupt einer ist. Denn eines steht fest: handwerklich ist der Whiskey tadellos, keine Fehlnote trübt den Gesamteindruck. Der Rye-Erstling überzeugt geschmacklich auf ganzer Linie. Dazu kommt ein Chili Catch, den kaum ein Roggenwhisky so zelebriert wie Nine Springs. Ansätze für die Emanzipation sind also vorhanden.

Es bleibt zu hoffen, dass dies in der Tat der erste Schritt auf einer langen Rye-Reise bei den Neun Quellen ist und dass viele weitere folgen. Die dürfen gern experimenteller ausfallen. Proof of Concept jedenfalls ist erbracht, sie können guten Rye herstellen.

Es zeigt sich wieder und wieder: Deutschland ist Rye-Land.

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