Grumsiner Mammoth

Single Grain Whisky. Classic Edition

Die Grumsiner Brennerei

Brandenburg ist Whiskyland. Zwar denken viele bei deutschem Whisky an den Süden der Republik, etwa St. Kilian, allerdings hat sich in auch Brandenburg eine erstaunliche Vielfalt an Brennereien entwickelt. Glina und Stork im Süden Berlins sind vielleicht die bekanntesten, doch es gibt noch mehr. Mit Blick in den Norden von Berlin findet sich die Grumsiner Brennerei in der Uckermark.

Der sicher spannendste Aspekt dieser Brennerei ist ihre Nutzung alter Getreidesorten, die heute selten zum Einsatz kommen ob des höheren Aufwandes, sie zu kultivieren und zu verarbeiten. Dass diese Getreidesorten von Landwirten aus der Region bezogen werden und das Bio-Gütesiegel tragen, versteht sich da fast von selbst. Wichtiger jedoch ist, dass sie ein Stück gelebter Regionalgeschichte sind und das schätzen wir sehr. Weniger schätzen wir den unnötig englischen Namen Mammoth – gerade dann, wenn man sich zur Region bekennen möchte…

Zur Zeit bietet Grumsiner einen Single Grain in Trinkstärke und einen Single Malt in Fassstärke an, dazu einen Likör auf Whiskybasis und eine Reihe anderer Bränden wie z.B. Gin. Wir haben uns für den Single Grain entschieden. Er kommt wie alle Mammoth-Whiskys in einer stilistisch gelungenen Flasche mit markantem Etikett: ein Hingucker.

Single Grain Classic

Ostpreussischer Eppweizen, so nennt sich das verwendete Getreide. Wir sind große Freunde des weichen Weizens beim Whisky und als Historiker freut mich die Verwendung des alten Getreides umso mehr. Dies war tatsächlich der Hauptkaufgrund, zudem ist die Flasche mit knapp 60 Euro für 0,5l  im Vergleich zum Single Malt deutlich günstiger. Ich bin mir auch nicht sicher, ob man sich mit der Bezeichnung als ‘Single Grain’ einen Gefallen tut. In Deutschland wird das oft mit der Art Whisky assoziiert, die gemeinhin quasi als Füllmaterial für Blended Whisky gilt. Single Malt sei der Geschmacksträger, Single Grain dagegen tauge nur für Blends – so das gängige Vorurteil. Es ist falsch und unfair, aber eben in den Köpfen. Ich hätte eher die Bezeichnung Wheat Whisky gewählt, zumal Grain doch recht unspezifisch ist.

Die Fassreifung liest sich jedenfalls spannend: 4 Jahre im ex-Bourbonfass mit einem 6-monatigem Finish im Rumfass. Der Rum stammte übrigens aus Martinique. Hier hat sich jemand Gedanken gemacht: der fruchtige, weiche Weizen passt natürlich perfekt zu den ex-Bourbonfässern, die vanillige und karamellige Süße abgeben; darauf gesetzt die zuckrige Süße des Rums. Wer süße Whiskys mag, kann sich dem kaum verweigern.

Doch verweist Grumsiner darauf, dass der ostpreussische Eppweizen eine eigene Würze mitbringt, die mit gerade dieser Süße harmonieren soll. Bei 4,5 Jahren ist zudem kein übermäßig schwerer Fasseinfluss zu erwarten, sodass das Destillat nicht vollends überdeckt sein dürfte. Ungefärbt zeigt sich das Mammut dann in einem hellen Strohgelb.

Nase

Vanille und Kandiszucker bestimmen die Ersteindrücke, dahinter kommen Früchte ganz zart zum Vorschein, werden aber alsbald kandiert. Lediglich die Frische von grünen Äpfeln und Ananas hält dagegen, entgeht aber nicht der Zuckerung.

Schön ist die Leichtigkeit der Aromen, die foral anmutet und trotz der großen Süße einer gewissen Eleganz zum Ausdruck verhilft. Zwar bleibt die Nase klebrig und erinnert bisweilen wirklich an amerikanischen Wheat Whisky, wirkt aber nie überbordend.

Geschmack

Mild tritt er an und verbreitet erneut Vanille. Karamell und sogar etwas Eichenwürze zeugen wohl vom Fass, sodass er auf der Zunge etwas ausgewogener daherkommt. Ein Hauch Nuss passt gut zu diesem Profil, ebenso die erstarkenden Früchte. Diesmal sind es eher Aprikose und roter Apfel, die sich in das Vanillebett legen. Die zuckrige Süße, die angesichts des Rumfasses und der Nase zu erwarten war, hält sich überraschend dezent im Hintergrund.

Tatsächlich lässt sich der Eindruck auf der Zunge insgesamt als dezent-zurückhaltend bezeichnen, die Balance der verschiedenen Geschmäcker ist gut. Wieder erscheint er blumig-leicht. Eine weiche Getreidenote begleitet die starke Süße und die leichte Würze gleichermaßen.

Abgang

Der Abgang ist kurz und lässt die Würze stärker zum Zuge kommen. Das bietet einen willkommenen Kontrast. Die Kürze ist daher nicht unbedingt negativ anzumerken, da ihr würziger Grundcharakter bei zunehmender Prominenz einen zu großen Kontrast zur sonst fein strukturierten Süße bildete. Allerdings steckt auch ein bisschen alkoholischer Nachklang darin.

Fazit: Ein Whisky nach unserem Geschmack

Das ist die Art von Whisky, die wir mögen: harmonisch, floral, mit der gesamten Bandbreite des süßlichen Geschmacksspektrums, ohne unangenehme Jugend. Er schafft es dennoch, nicht allzu sehr ins Klebrige abzudriften, gleichwohl die Nase diese Marschrichtung eigentlich vorgibt. Der Abgang ist etwas kurz und gefährlich nah daran, sprittig zu wirken, aber im Grunde auch gut gedacht.

Überhaupt überzeugt das Gesamtkonzept des Whiskys. Die Getreideauswahl passt zu den verwendeten Fässern und die Reifezeit ist für die gelungene Umsetzung ausreichend. Vielleicht helfen noch ein paar Monate im Fass. Vielleicht. Die Balance zwischen floraler Leichtigkeit und klebriger Süße gefällt jedenfalls.

Der einzige substantielle Kritikpunkt ist ein altbekannter, der Preis. Wer nur nach PLV geht, wird hier nicht glücklich. 60 Euro für einen halben Liter eines Vierjährigen sind viel. Man muss deutschen Whisky schon mögen, um dieses Investment zu wagen.

Andererseits rechtfertigt er seinen Preis durch das ungewöhnliche Konzept. Hundertprozentigen Wheat Whisky mit Rum-Finish gibt es dann doch nicht so oft… Das ist ja genau das, was wir uns von deutschem Whisky wünschen. Deutscher Whisky muss anders sein und diese Andersartigkeit muss gut umgesetzt werden. Das macht der Mammoth Single Grain Classic ohne Frage. Uns bleibt nur zu sagen: weiter so! Und habt Ihr nicht auch Mais (Brauner Schindelmeiser)? Wir sind nämlich Bourbon-Fans…

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