Der Whisky in Two and a Half Men

Trinken wie Charlie Harper…

Two and a Half Men war eine der erfolgreichsten Sitcoms überhaupt. Im Zentrum stand ein leichtlebiger Frauenheld, der wenig arbeitete und viel trank: Charlie Harper, gespielt von Charlie Sheen. Gerade in späteren Folgen verschmolzen diese Persönlichkeiten zusehends, sodass sich Sheen am Ende eher selber spielte.

Charlies Whiskykonsum entwickelte sich aber erst im Laufe der Zeit als ein wichtiger Charakterzug aus. Tatsächlich taucht in der ersten Staffel überhaupt nur einmal Whisky auf, ein Johnnie Walker Black. Der stellte die „schottische Brünette“ im Trio mit der „russischen Blonden“ und dem „Rotschopf vom Valley“, also einem Wodka und Rotwein.

In den folgenden Jahren wird Whisky immer prominenter und hier lassen sich zwei Phasen unterscheiden: In den Staffeln 2 bis 5 stellt Whisky in erster Linie ein Genussmittel für besondere Anlässe dar, in den Staffeln 6 bis 8 dagegen braucht es solche Anlässe nicht mehr.

Die Flaschen sind fast immer von der Kamera abgewandt, doch ein Whiskyfreund erkennt sie oft dennoch. Es braucht dazu nicht einmal markanter Flaschen, wie der des Woodford Reserve, manchmal reicht auch die Kombination aus Form, Farben und Anbringung der Etiketten. Außerdem lassen sich selbst bei 720p manche Schriftzüge noch erkennen.

Whisky als Genussmittel (Staffeln 2–5)

“For that is the time to eat, drink and be merry
Til the beer is all spilled and the whiskey is flowed”
(E. Costello)
Zu sehen: Talisker 10 (links), Dalwhinnie 15 (mittig), Buchanan’s Deluxe 12 (rechts)
Photo: ©Warner Bros.

Die zweite Staffel startet mit einem Whisky-Highlight: zusammen mit Sean Penn und Elvis Costello trinkt Charlie einen Talisker 10, einen Dalwhinnie 15 und einen Buchanan’s Deluxe 12. Vor allem Sean Penn scheint den Talisker zu mögen, kuschelt er doch mit dieser Flasche gegen Ende der Folge. (Back Off Mary Poppins).

Das sind gute Abfüllungen, die eine echte Leidenschaft für Whisky bezeugen. Da schottischer Whisky in den USA oft ein gutes Stück teurer als hierzulande ist, repräsentiert diese Auswahl eventuell auch die finanzielle Potenz der Runde. Im Übrigen gehören alle drei Marken zu Diageo, der in Europa weniger bekannte Buchanan’s Deluxe 12 enthält darüber hinaus Single Malt aus der Dalwhinnie-Brennerei.

Getrunken wird der Whisky im Rahmen einer Art Selbsthilfegruppe und zumindest am Anfang steht eindeutig der Genuss im Vordergrund. Für Charlie ist dies sogar wichtiger als die therapeutische Wirkung der Gruppe, die er standhaft leugnet.

Der Talisker 10 tritt noch einmal am Ende der Staffel auf, als Requisite auf einer Schwulenparty, in den übrigen Episoden allerdings scheint Bourbon zum Zuge zu kommen. Leider kann ich nicht erkennen, welcher Bourbon. Wegen einer stressigen Situation wird der schon am Vormittag getrunken : “I don’t usually drink before noon, but I am through a little bit of a rough patch.“ – “Well that’s why they make Bourbon.” [Normalerweise trinke ich nicht vor Mittag, aber ich mache gerade viel durch. – Dafür ist Bourbon ja da.](A Kosher Slaughterhouse Out in Fontana)

In der dritten Staffel hat wieder der Scotch die Oberhand, sogar deutlich. Zu sehen sind Cardhu 12 (Principal Gallagher’s Lesbian Lover), Glenmorangie 10 (Sleep Tight, Puddin‘ Pop), Johnnie Walker Red (My Tongue is Meat), eventuell ein Oban 14 (Golly Moses, She’s a Muffin; Always a Bridesmaid, Never a Burro) und vielleicht ein Johnnie Walker Black (That Pistol-Packin‘ Hermaphrodite). Nur einmal kommt ein Jack Daniels Black dazwischen (My Tongue is Meat).

Die Kontexte dieser Auftritte unterscheiden sich sehr. Der Cardhu z.B. ist quasi nur Requisite für einen elaborierten Witz. Charlie vertritt die Empfangsdame in der Praxis seines Bruders Alan für einen halben Tag und macht ein Bordell daraus. Es gehört zu den logistischen Meisterleistungen Charlies, dies in aller Kürze bis ins kleinste Detail durchzuziehen, also auch hochwertige Spirituosen zur Verfügung zu stellen.

“Hey, whiskey you’re the devil
You’re leading me astray”
(E. Costello/The Pogues)
Zu sehen: Glenlivet 12
Screenshot: ©Warner Bros.

Die Johnnie Walkers dienen der Frustbewältigung und in dieser Rolle treten auch in Zukunft auf (A live Woman of Proven Fertility, If my Hole could talk). In dieser Funktion kommt allerdings ebenso hochwertiger Single Malt zum Einsatz, nämlich der Glenmorangie 10 (Don’t Worry Speed Racer) und der Glenlivet 12 (Kinda Like Necrophilia).

Überhaupt bewegt sich der Whiskykonsum weg vom Thema Genuss, hin zum Frusttrinken. Dies ist ein gängiger Topos und noch sind es eher Ausnahmesituationen, aber der Pfad in die daueralkoholisierte Zukunft ist damit beschritten.

Charlie kann auch ohne Spaß Alkohol haben (Staffeln 6–8)

In der sechsten Staffel ist vor allem ein Whisky zu sehen, der Glenlivet 18. Er tritt in nicht weniger als sechs Folgen auf (Taterhead Is Our Love Child; Pie Hole, Herb; He smelled the Ham; The Devil’s Lube; I’d like to start with the Cat; The Two Finger Rule).

Das lässt sich eventuell durch einen strengen Drehplan erklären, in dem die Folgen schnell hintereinander abgedreht wurden und diese Requisite eben zur Verfügung stand. Allerdings ist der Glenlivet auch der meistgetrunkene Single Malt in den USA, stellt daher eine gute Wahl dar. Zudem kostet der 18er auf dieser Seite des Atlantiks auch einiges und passt zu Charlies Lebensstil.

Don’t touch my Whisky. – Charlie H. (probably)
Zu sehen: the good stuff aka Woodford Reserve
Screenshot: ©Warner Bros.

Die Staffel ist aber wegen eines anderen Whiskys denkwürdig: der Woodford Reserve feiert seine Premiere und wird sogleich als „the good stuff“ vorgestellt (I think you offended Don). Zum ersten Mal wird Bourbon eine ähnlich prestigeträchtige Rolle wie Scotch zu Teil und dies fügt sich sehr gut in die Entwicklungen der Realwelt zu dieser Zeit ein. Sogenannter Super Premium Bourbon eroberte seinerzeit stetig Marktanteile, ganz besonders der Woodford Reserve. Er setzte sich durch sein edles Äußeres und sein komplexes Aroma von dem üblichen Stereotyp des einfachen Bourbons ab. Dies half sicher dazu beizutragen, dass sich das Image von American Whiskey im Laufe der Zeit deutlich besserte. Ich gehe auch davon aus, dass der häufige Konsum des Woodford Reserve durch Charlie Harper/Sheen – die Grenzen verschwimmen zusehends – den Marktwert nur steigerte.

Von da an war dieser Bourbon fester Bestandteil der Requisite, getrunken in vielen Folgen und zumeist ohne jeden Anlass (Sir Lancelot’s Litter Box; Gorp. Fnark. Schmegle.; I called him Magoo; Twanging Your Magic Clanger; The Crazy Bitch Gazette; Dead from the Waist Down).

Single Malt darf trotzdem nicht fehlen und es begegnen uns ein paar alte Bekannte wie der Talisker 10 (Whipped Unto the Third Generation). Auch einer der letzten in Two and Half Men zu sehenden Whiskys ist ein Scotch, ein 20 Jahre alter MacTavish Single Malt. Er teilt sich diesem Ruhm außerdem mit einem Glen Ranoch Single Malt und einem Buffalo Trace Bourbon. Als sich Charlie nicht zwischen ihnen entscheiden kann, sagt er kurzerhand: „Who am I kidding? I love you all!“. (Lookin’ for Japanese Subs).

„Who am I kidding? I love you all!“
Screenshot: ©Warner Bros.

Alkoholismus als Spaßgarant. Ein Fazit

Tatsächlich muss ganz humorlos festgestellt werden, dass der Whiskykonsum gegen Ende der Serie nicht mehr viel mit Genießen zu tun hatte. Trinken, um Probleme zu verarbeiten ist da noch das harmloseste. Vielmehr nehmen die Protagonisten, v.a. natürlich Charlie, aus reiner Gewohnheit Whisky zu sich. Mit Blick auf die Drogenprobleme des Schauspielers wirken diese Szenen mitunter beunruhigend real.

Dabei hatte die Serie gerade in den Staffeln drei bis fünf eine schöne Balance gefunden: Whisky als Teil eines Lebensgefühls, das sich nicht um gesellschaftliche Konventionen schert und den Genussaspekt des Whiskys eben auch mal am Nachmittag zu würdigen wusste. Vielleicht an der Grenze zum Missbrauch, wirkte diese Balance dennoch taktvoll.

Später hingegen halten Vollrausch und Kotzen Einzug als Vorlage für Witze. In diesem Rahmen wirkt jede der gezeigten Abfüllungen deplatziert, dafür ist Whisky zu schade. Doch neigte sich Two and a Half Men ohnehin dem Ende zu und stürzte qualitativ immer weiter ab. Den Teil der Serie mit Ashton Kutcher konnte ich mir nicht noch ein weiteres Mal antun, Whisky hin oder her. Die folgende Liste ist daher unvollständig.

Charlies Whiskyinventar:

Anmerkung: in manchen Fällen bin ich mir nicht sicher und ich mag den ein oder anderen Whisky übersehen haben. Wer Klarheit schaffen kann, helfe mir bitte! Die Liste dürfte auch keineswegs vollständig sein.

Blended Scotch:

Johnnie Walker Red

Johnnie Walker Black

Chivas Regal (nur im Supermarktregal)

Buchanan’s Deluxe 12

_

Single Malt:

Talisker 10

Dalwhinnie 15

Cardhu 12

Glenmorangie 10

Glenlivet 12

Glenlivet 18

MacTavish 20

Glen Ranoch

Oban 14 (?)

_

US Whiskey:

Woodford Reserve

Buffalo Trace

Jack Daniels Black

Wild Turkey 101 (?)

Ezra Brooks (?)

Rittenhouse Rye (?)

_

Anderer Whiskey:

Crown Royal (nur im Supermarktregal)

Jameson (nur im Supermarktregal)

1 Comment

  • Woodford Reserve 17. Oktober 2019 at 17:59 Reply

    […] sich alle gelangweilt abwenden: Kulturgeschichte fassen wir sehr weit. Da gehört auch Two and a Half Men zu, wo der Woodford Reserve eine besondere Rolle spielt. Diese Rolle hat uns auch dazu veranlasst, […]

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