Finric

Der neue Blend.

Von Schottland nach Deutschland

Die Macher von Finric setzen ihren Whisky gekonnt in Szene. Ihr Timing ist sehr gut; z.B. haben sie abgewartet, bis der Hype um die ersten St. Kilian-Abfüllungen abgeflaut ist, bevor sie die deutschen Whisky-Blogger großzügig mit ihren Proben versorgten – darunter auch uns. Ihr Stilbewusstsein steht ebenfalls außer Frage, denn die elegante schwarze Flasche mit ihrem minimalistischen Etikett macht einigen Eindruck. Sogar ihr Probierfläschchen sieht gut aus. …und ist mit 0,1l auch großzügig bemessen.

Doch was genau steht hinter Finric? Es handelt sich um einen Blended Whisky, der aus Schottland stammt, aber hier in Deutschland abgefüllt wird und sich darum nicht Scotch nennen darf. Alles weitere bleibt im Dunkeln, denn die Informationen sind spärlich: Eichenfässer, mindestens drei Jahre alt usw. Im Grunde erfährt man nur, dass Finric gewisse Scotch Blended Whisky-Maßstäbe erfüllt.

Doch das soll niemanden zum Vorwurf gemacht werden. Ich mag Blended Whisky und entscheidend sind nicht die Labels, sondern der Geschmack.

Einfach genießen

Das erklärte Ziel von Finric ist einen sowohl pur genießbaren, als auch im Cocktail auffälligen Whisky bereitzustellen. Weder Karen noch ich sind große Kenner von Cocktails, insofern werden wir nur den puren Genuss wagen.

Wenn ich einen Bewertungsmaßstab anlege, dann ist es der vergleichbarer Blends. Ich möchte einfach nur einen unkomplizierten, sanften Whisky haben, der mich nach einem erfolgreichen Tag erfreut, ohne dass ich zwei duzend unterschiedliche Gerüche und Geschmäcker unter Schichten von Rauch herausdifferenzieren müsste.

Nase

Fast alle Rezensenten haben das junge Alter des Whiskys bemerkt und da gibt es kein Entkommen. Allerdings ist es eine angenehm frische Jugend, leicht und fruchtig, mit überraschend dezenter Süße. Im Einzelnen mögen es Honigsüße, Birnen und Zitronen sein. Lobenswerterweise sticht der Whisky dabei kein bisschen. Die Nase ist leicht und unkompliziert – nicht mehr, nicht weniger.

Geschmack

Ich bin sehr froh, dass ich nicht allein dastehe: Tim (Whiskyhelden) und Tino (Meinwhiskyblog) haben ebenfalls eine prickelnde Schärfe festgestellt, die keineswegs vom Alkohol rührt. Im Gegenteil, gerade weil der Whisky so rund und sanft bleibt, fällt dieses Prickeln beim Antritt umso mehr auf. Ich halte es nicht für dominant, da recht bald fruchtige Süße übernimmt. Ich könnte die Frucht nicht genau bestimmen, und ein Teil der Süße wirkt bald eher malzig. Doch das anfängliche Wechselspiel mit den schärferen Aromen ist überaus eindrücklich. Vermutlich ist dies, was die Eignung für Cocktails ausmacht.

Abgang

Für einen so sanft abgefüllten Whisky ist der Abgang mehr als beachtlich lang. Es kommt auch einige Würze hinzu, womöglich ein Überbleibsel der scharfen Noten.

Fazit

Wenn wir nicht alles pur getrunken hätten, wäre es uns glatt in den Sinn gekommen, uns doch noch an einem Cocktail zu versuchen. Das Geschmacksprofil des Finric ist bemerkenswert. Er setzt sich positiv von vielen Blends ab, indem er auf der Zunge nachhaltig Eindruck hinterlässt. Dass die Aromen nicht immer klar herauskommen, tut dem keinen Abbruch.

Vielleicht denken wir als Whiskyblogger auch einfach nur zu viel darüber nach. Wir trinken ständig hochkomplexe, diffizile Abfüllungen und in uns liegt oft das Bedürfnis, möglichst viele Noten möglichst präzise herauslösen zu wollen. Deswegen fasziniert der merkliche ‚Chili-Catch‘ des Finric, wie es Horst Lüning nennen würde, uns umso mehr.

Aber im Grunde trifft es das Motto von Finric viel besser: pour-sip-enjoy. Ich rate dazu, kurz das Notizbuch zur Seite zu legen, in den Sonnenuntergang zu blicken und dabei einen Finric zu trinken.

Wir danken Finric für das Rezensionsexemplar.

Kurzfassung

in Deutschland abgefüllter Blended Whisky aus Schottland

40 %, ohne Altersangabe

Nase: leicht, frisch, fruchtig-süß

Geschmack: zunächst prickelnde (nicht-alkoholische!) Schärfe im Wechselspiel mit Süße, später dominiert die Süße

Abgang: würziger als erwartet, aber weiterhin süß

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