The Trail of Tears

It’s a bittersweet symphony …

Von Tennessee über Schottland nach Berlin

Der Trail of Tears vom unabhängigen Abfüller Best Drams (nunmehr fusioniert zum WhiskyDruid) ist ein wahrlich ungewöhnlicher Whiskey. Gebrannt wurde er in Tennessee, dann reifte er 14 Jahre in Schottland, bevor er dort abgefüllt wurde – unverdünnt und natürlich ungefärbt, wie es sich gehört. Es handelt sich um einen Whiskey aus dem Hause George Dickel und für diesen sind 14 Jahre ein stolzes Alter.

Nun bin ich großer Fan von George Dickel. Insbesondere die älteren Barrel Select-Abfüllungen halte ich für unterschätzt. Andererseits sind meine Eindrücke subjektiv. Karen etwa kann meine Begeisterung nur bedingt nachvollziehen. Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie vielfältig die Wahrnehmung von Whisky ist.

Weniger schön ist die Geschichte hinter dem Namen Trail of Tears. Mike Müller von Best Drams erzählte auf dem Köpenicker Whiskyfest, dass sie den Whiskey ursprünglich nach den indigenen Cherokee benennen wollten. Der Name sei aber eine eingetragene Marke und so entschiedenen sie sich für ein Ereignis aus der Geschichte der Cherokee: ihre Vertreibung und den folgenden sogenannten Pfad der Tränen nach Westen. Als Historiker hätte ich vielleicht einen positiver konnotierten Namen aus der Cherokee-Geschichte gewählt, andererseits ist es eine innovative Form der Erinnerungskultur … Wie man diese auch bewerten mag.

(Angesichts der deutschen Wurzeln von George Dickel und der Tatsache, dass Best Dram ein unabhängiger Abfüller aus Deutschland ist, wären mir persönlich ohnehin ganz andere Namen eingefallen.)

Best Dram - The Trail of Tears Tenessee Whiskey 14 Jahre

Ein alter Tennessee Whiskey

Tennessee Whiskey ist dank Jack Daniels für das sogenannte Lincoln County-Verfahren bekannt, also die zusätzliche Filtrierung durch Holzkohle. Dies macht auch den George Dickel besonders weich und rund, was zusammen mit dem Mais der Maische und den frischen Eichenfässer für einen ausgesprochen mild-süßlichen Whiskey sorgt.

Diese Art von Whiskey kann allerdings schnell eindimensional wirken, selbst im Falle der etwas hochwertigeren Abfüllungen wie George Dickel 12 oder Jack Daniels Single Barrel. Der Trail of Tears allerdings kommt nicht nur in Fassstärke daher, sein hohes Alter sollte ordentlich Würze aus der Eiche garantieren, wenn nicht sogar Bitterstoffe.

Amerikanischer Whiskey wird wegen der frischen, unbenutzten Fässer selten so lang gelagert. Bereits 4-jähriger Whiskey weist eine gute Reifung auf, sodass oft sinnvoll ist, den Whiskey vergleichsweise jung abzufüllen. Außerdem kann nach so vielen Jahren im frischen Fass der Einfluss der Eiche zu dominant werden. Insofern dürfte spannend werden, wo sich der Trail of Tears einordnet, zumal er in Schottland in einem anderen Klima reifte.

Best Dram - The Trail of Tears - Tenessee Whiskey 14 Jahre

Nase

Die Nase ist zunächst sehr typisch für einen US-Whiskey: viel Karamell und etwas Vanille. Interessant ist, dass diese Aromen mit einem gewissen ‚Extra‘ kommen. So hat die Vanille eine leicht pfeffrige Würze, beim Karamell fühlte ich mich kurz an salted caramel erinnert – sehr kurz allerdings. Dennoch ist diese dezente Würze gut integriert. Ein Hauch von Lebkuchen gesellt sich ebenfalls gut zu diesem Eindruck. Je länger der Whiskey im Glas sitzt, desto stärker schlägt auch die Eiche durch. Mit etwas Wasser öffnen sich leichtere Noten von Kräutern, allerdings sehr zart. Es ist schon eine eichenlastige Nase.

Geschmack

Zwar finden sich sämtliche Aromen der Nase auf der Zunge wieder, vielleicht mit Ausnahme der Kräuter, doch definiert sich die Würze etwas klarer aus. Besonders auffallend sind Nelke und Zimt (durchaus passend zum Lebkucheneindruck… vielleicht hätte ich die Rezension nicht in der Weihnachtszeit schreiben sollen). Schön ist auch das Aufkommen dunkler Früchte, v.a. überreifer Pflaume oder vielleicht sogar Dattel. Natürlich drängt auch auf der Zunge die Eiche stark in den Vordergrund, jedoch nicht so stark wie erwartet bzw. befürchtet. Und trotz des mächtigen Antritts, den die fast 51% Alkohol bieten, bleibt der Trail of Tears bemerkenswert gut balanciert.

Abgang

Ein so starker Whiskey rollt freilich lang und langsam die Kehle hinunter. Er hinterlässt einen süßlichen Eindruck, der an Zuckerwatte erinnert, also süßer noch als im Mund. Ganz am Ende zeigen sich noch einmal würzige Noten, die für Eiche typisch sind, aber keine Bitterstoffe. Ein gelungenes Finish.

Fazit

Als bekennender Fan von George Dickel führte für mich trotz des stolzen Preises kein Weg an diesem Whiskey vorbei. Und ich bereue nichts. Es ist ein schön balancierter, aber kräftiger Vertreter seiner Art. Als solcher lässt er die Subtilität eines wohlgereiften Speysiders vermissen, darin liegt auch nicht der Anspruch des Trail of Tears. Neulingen in der Welt des amerikanischen Whiskeys wäre von ihm abzuraten. Die sind mit dem George Dickel Barrel Select (43%) besser bedient. Erfahrene Freunde der US-Whiskeykultur allerdings dürfen bedenkenlos zugreifen.



Kurzfassung


Tennessee Whiskey, gereift und abgefüllt in Schottland


50,9% (Fassstärke), 14 Jahre


Nase: süß-würzig (Vanille, Karamell, etwas Pfeffer), stark eichenlastig, leichte Kräuter


Geschmack: wuchtiger Antritt, dennoch recht sanft, weiterhin süß-würzig, besser ausdefinierte Würze (Nelke, Zimt), dunkle Früchte (Pflaume bis Dattel)


Abgang: lang, warm, süß, ein wenig würze am Ende



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