Whisky zu Weihnachten

Whisky wird vermehrt im Winter getrunken. Einer der Gründe dafür dürfte sein, dass Whisky ein beliebtes Weihnachtsgeschenk ist: Genussmittel machen sich immer gut als Geschenk, Whisky kommt zumeist in schönen Flaschen und zeigt eine gewisse Kultiviertheit, sowohl auf Seiten des Schenkenden, als auch des Beschenkten. Im Idealfall zeigt man dem Beschenkten auch, wie gut man ihn kennt. Die Auswahl eines wirklich passenden Whiskys erfordert einige Kenntnisse über den
Geschmack des Beschenkten und dementsprechend auch Kenntnisse über den Whisky selbst. 

Doch keine Sorge, ein Whiskyfan wird sich über (fast) jeden Whisky freuen und die Geste zu schätzen wissen, egal was ihr auswählt. Der Gedanke zählt. Also keine Angst vor dem „falschen“ Whisky! Wollt Ihr aber dennoch ein paar Tipps, können wir Euch hoffentlich mit diesem Artikel helfen.

Die leidige Frage des Geldes

Whisky ist sicher nicht die günstigste Spirituose, verglichen aber z.B. mit Cognac hat er oftmals ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis und für jeden Geldbeutel gibt es eine wirklich ansprechende Option. Deswegen findet Ihr unten ein Kapitel, das dem schmalen Budget gewidmet ist, und eines für finanzstärkere Weihnachtsmänner- und Frauen.

Nach oben hin ist die Grenze bekanntlich offen, im Regelfall allerdings reichen 50€ mehr als aus, um einen hervorragenden Whisky zu finden. Selbst für die Hälfte bekommt man mitunter überraschend gute Flaschen. Nur wenn Ihr weniger als 20€ habt, solltet Ihr vielleicht über ein anderes Geschenk nachdenken.

Single Malt, Blended Whisky, Bourbon?

Die Whisky-Fans in Deutschland bevorzugen zumeist Single Malt aus Schottland oder guten irischen Whisky (Single Malt, Single Pot Still). Blended Whisky kann gefallen, kann aber auch abgelehnt werden. Wenn Ihr nicht sicher seid, nehmt grundsätzlich den Single Malt.

Auch bei Bourbon, also Whiskey aus den USA, müsst Ihr vorsichtig sein. Viele mögen ihn nicht besonders. Ich halte die oftmals pauschale Abwertung von Bourbon in Deutschland für problematisch, aber Ihr wollt ja ein Geschenk machen und da zählt nur der Geschmack des zu
beschenkenden Menschen.

Die Gretchenfrage. Rauch oder kein Rauch?

Rauchige Whiskies treffen nicht jeden Geschmack. Tatsächlich gibt es Whiskyfreunde, die damit gar nichts anfangen können, und Anfänger mögen Rauch noch seltener. Wenn Ihr wisst, dass der/die Beschenkte gerne zu rauchigen Whisky greift, haben wir für Euch unten ein paar Empfehlungen. Wenn Ihr nicht sicher seid, solltet Ihr einen nicht-rauchigen Whisky verschenken. Die meisten unserer Tipps passen dazu.

Im Übrigen könnt Ihr Rauch-Fans auch ohne weiteres einen milden Whisky schenken, weil diese Fans eigentlich nie exklusiv auf Rauch festgelegt sind.

Der White Walker von Johnnie Walker besticht durch gelungenes Flaschendesign mit vielen witzigen Details („North of the Wall“ z.B., gemeint ist der Hadrianswall) und einen netten Effekt, wenn man ihn ins Gefrierfach legt. Zwar ist der Whisky keiner, für den man eines der Sieben Königreiche geben würde, aber das muss man auch nicht. Er ist günstig und wird Game of Thrones-Fans beglücken.

Die Allzweck-Whiskies. Für Einsteiger und Unsichere

Es gibt Abfüllungen, die nahezu jeder mag, wenn er oder sie auch nur ansatzweise Spirituosen mag. Sie sind leicht und weich, um niemanden abzuschrecken, zugleich aber komplex und aromatisch genug, um auch Kenner zu überzeugen. Die Brennereien, die diesen Drahtseilakt erfolgreich meistern, gehören nicht umsonst zu den bekanntesten und profitabelsten der Welt. Sehr gut eignen sich dreifach destillierte Whiskies, wie einige aus Irland oder den schottischen Lowlands.

Unser Tipp:

Glenmorangie The Original (10 Years old): Dieser schottische Single Malt ist der Klassiker schlechthin. So ziemlich jeder Whisky-Fan hat ihn schon mal getrunken und kann ihn zu schätzen wissen. Selbst komplette Whisky-Neulinge zieht er mit seiner grazilen Eleganz in den Bann. Dass er außerdem in einer markanten Flasche verkauft wird, die diese Eleganz widerspiegelt, macht den Glenmorganie zu einem der besten Geschenke überhaupt.

Greenspot: Das ist ein irischer Single Pot Still Whiskey, dessen fruchtige Frische und Weichheit Hand in Hand gehen mit einer tieferliegenden Komplexität, die sich nicht sofort zu erkennen gibt – auch deswegen ein Tipp für Einsteiger, genauso wie für Fortgeschrittene.

Balvenie Double Wood (12 Years old): Dieser Klassiker aus der Speyside feiert 2018 sein 25-jähriges Jubiläum und eignet sich schon allein deswegen als Geschenk, da es jetzt die entsprechende Sonderverpackung gibt. Geschmacklich findet das süßliche Aroma mit seinen dunklen Früchten fast überall Anklang.

Wenn es etwas teurer sein soll …

Es ist nichts daran auszusetzen, Geld in die Hand zu nehmen und besonders teure Whiskies zu verschenken. Genau zu diesem Zweck haben die viele Hersteller, v.a. von Blended Whisky, wunderschön gestaltete Flaschen und Geschenkverpackungen. Auf der Zunge ist der Whisky ebenfalls gut, aber das Hauptaugenmerk liegt eindeutig darauf, wie gut er auf dem Gabentisch aussieht.

Gerade die, die nur gelegentlich einen Whisky mögen und viel Wert auf Stil legen, werden an solchen Flaschen ihre Freude haben. Dennoch eignen sie sich für gestandene Whiskyfans, weil die sich solche
Abfüllungen normalerweise nicht selbst kaufen.

Unser Tipp:

Chivas Royal Salute: Gebrannt anlässlich des Krönungsjubiläums der Königin Elisabeth II., kommt diese Reihe von Whiskies in handgemachten, verschiedenfarbigen Porzellandekantern, geschützt durch einen Samtbeutel. Allein die Aufmachung beeindruckt! Am schönsten finde ich ehrlich gesagt das 21 Jahre alte „Einstiegsmodell“ für 120€ (er schmeckt auch richtig gut!); Ihr könnt aber auch locker das 20fache ausgeben für die edleren Abfüllungen, wenn ihr wollt … und könnt.

Johnnie Walker Odyssey: Dieser Whisky ist eine Hommage an die Luxusliner, die die Ozeane vor der kommerziellen Luftfahrt bereisten. Er wirkt in der Tat luxuriös dank einer Swing-Bottle (einer Flasche, die sich mit dem Schiff dreht) und einem motivisch maritim angehauchten Karton, der dieses Schwingen simulieren kann. Die Kristalloptik und die Highlights in Goldoptik runden das Bild ab. Wie er schmeckt, wissen wir nicht. Wir möchten es gern herausfinden, warten aber auf den Lottogewinn.

Für den kleinen Geldbeutel

Ihr habt nur wenig Geld? Kein Problem, das kennen wir. Es gibt richtig gute Sachen für unter 30€, die nach einem gelungenen Tag unkomplizierten Genuss bieten. Vielleicht ist das sogar besser, als die teuren Edelabfüllungen, da der Beschenke so immer an Euch denkt, wenn er am Abend einen Schluck nimmt, statt ehrfürchtig auf einen ungeöffneten Kristalldekanter zu starren.

Unser Tipp:

Cutty Sark Prohibition: Für Anfänger eignet sich dieser Blend weniger, da er mit kräftigen 50% abgefüllt ist. Umso erstaunlicher, dass er so günstig ist. Er ist voluminös, süß und sogar die Flasche sieht gelungen aus – drinking classy on an unclassy budget. Noch besser: er hat eine faszinierende Geschichte, die auf die Prohibition, Schmuggler und Segelschiffe abhebt. Ein sehr spannendes Geschenk, auch wenn er sicher nicht die Spitzenklasse des Whiskygenusses darstellt.

Four Roses Single Barrel: Ich halte ihn für einen der besten Bourbons überhaupt. Punkt. Dass er für 30€ zu haben ist – noch, Trump und EU lassen grüßen – macht ihn nur umso besser. Diese kräftige Einzelfassabfüllung balanciert gekonnt karamellige Süße mit würzigen Aromen, Weichheit mit langanhaltender Wärme. Einer meiner drei Whiskies für die einsame Insel. Nur wenn jemand gar keinen amerikanischen Whiskey mag, ist er keine Empfehlung. Und selbst wenn …

Deanston Virgin Oak: Um ehrlichzu sein, wir halten nicht so ganz viel von diesem Single Malt. Wir kennen aber einige, die ihn als sehr gelungen ansehen. Ein interessanter Whisky ist er allemal, da er in frischen Eichenfässern reifte, was für einen Schotten ungewöhnlich ist. Ein solches Experiment zu einem günstigen Preis ist auf jeden Fall eine Überlegung wert.

Die Exoten

Inzwischen sind neue Whisky-Brennereien in sehr, sehr vielen Ländern entstanden. Dass Japan eine Whisky-Industrie hat, die der schottischen in Qualität um nichts nachsteht, ist bekannt – leider, denn die Preise sind mittlerweile absurd hoch geworden. Doch es gibt andere Exoten. Whisky-Fans auf eine Entdeckungstour durch die Welt zu schicken, lohnt fast immer. Wer sich nämlich nicht auf diese ungewöhnlichen Flaschen spezialisiert, wird vermutlich auch keine zu Hause haben und sich über einen Ausflug in die Weite freuen.

Unser Tipp:

Kavalan King Car Conductor (Taiwan): Die klimatischen Bedingungen auf Taiwan erlauben eine besonders schnelle und intensive Reifung und „intensiv“ ist fürwahr das erste Wort, mit dem ich die Kavalan-Serie beschreiben würde. Einige Abfüllungen gehen uns dabei sogar zu weit, aber der King Car ist ein herrlich runder Whisky. Anders, aber vertraut und hochwertig.

Crown Royal Northern Harvest Rye (Kanada): Hier wäre „überschätzt“ das erste Wort, das mir einfällt, dennoch ist es ein exzellenter Canadian Whisky. Als er 2016 von Jim Murray (Whisky Bible) zum Besten des Jahres gekürt wurde, explodierten die Preise. Zum Glück haben sie sich wieder normalisiert, sodass er sich als schönes Geschenk eignet.

Irgendein Mackmyra (Schweden): Die Brennerei Mackmyra hat sich in den letzten Jahren gemacht, allerdings geben sie extrem viele, limitierte Sondereditionen heraus. So kann kaum eine Empfehlung ausgesprochen werden, ohne dass die empfohlene Flasche nicht bald wieder vom Markt ist. Aber die Experimentierfreudigkeit der Brennerei ist auf jeden Fall zu loben. Wenn Ihr jemanden kennt, der Schweden und/oder Whisky mag, könnt Ihr zugreifen – zumal angesichts der unzähligen Sonderabfüllungen sogar recht wahrscheinlich ist, dass der/die Beschenkte diese Flasche nicht hat …

USA, USA!

Zugegeben, viele in Deutschland mögen keinen amerikanischen Whiskey. Doch wenn Ihr wisst, dass er gut ankommen wird, haben wir hier ein paar Empfehlungen. Am wichtigsten ist meiner Meinung nach, dass der Whiskey 45% oder mehr hat. Denn je mehr eine amerikanische Brennerei ihrem Produkt vertraut, desto eher wird sie auf 45% oder mehr gehen. Wie immer gibt es Ausnahmen, aber als Richtlinie passt es.

Ähnliches gilt für die sogenannten Single Barrels, also Einzelfassabfüllungen. Die sind fast immer gut. Und, besser noch, sie unterscheiden sich von Fass zu Fass. Also selbst wenn ihr eine Flasche schenkt, die der andere schon hat, könnte sie anders schmecken und zum Vergleich einladen.

Unser Tipp:

Evan Williams Single Barrel: Die berühmte Ausnahme! Trotz des vergleichsweise geringen Alkoholanteils von ca. 43%, ist diese Einzelfassabfüllung spannend. Sie weist nämlich je nach Jahrgang sehr beachtliche Unterschiede im Geschmack auf, manchmal sogar je nach Fass. So sollte es auch sein.

Jack Daniels Single Barrel Proof: Fassstarke Einzelfassabfüllung, die zeigt, dass JD sehr wohl extrem guten Whiskey produzieren kann. Intensiv, komplex, aber deutlich als Jack Daniels zu identifizieren, ist der Genuss dieser Flasche ein Erlebnis. „Whiskey, wie die Natur ihn haben wollte“ … naja, nicht ganz richtig, aber irgendwie passt der Slogan trotzdem echt gut.

Baker‘s (7 Years old): Auf den ersten Blick würden viele diese Flasche vermutlich gar nicht füreinen Bourbon halten, aber es steckt ein sehr runder, wenn auch gradliniger Bourbon aus dem Hause Jim Beam darin. Ich finde, das ist ein archetypischer Vertreter dieser Gattung und daher immer einen Schluck wert.

Die Rauch-Fraktion

Dies ist auch ein eher spezieller Fall. Wenn Ihr genau wisst, dass rauchige Whiskies dem Beschenkten schmecken – und nur dann – solltet Ihr den Blick auf die schottischen Inseln werfen. Inseln wie Islay, Jura oder Skye sind die Heimat hervorragender, aber doch recht klassischer Abfüllungen. Es ist leider nicht ganz unwahrscheinlich, dass Euer Geschenk schon im Barfach des Beschenkten steht, da die Auswahl an rauchigem Whisky halt etwas kleiner ist. Daher empfehlen wir hier keine Klassiker, sondern ausgefallenere Abfüllungen.

Unser Tipp:

Connemara Turf Mór: Vielleicht der rauchigste Single Malt aus Irland; der Name kann auch in etwa mit „viel Torf“ übersetzt werden. Die Meinungen zu diesem Whisky gehen sehr weit auseinander. Allein schon deswegen lohnt sich das Probieren! Allerdings braucht es einen sehr erfahrenen Whisky-Freund. Nicht nur, dass der Rauch sehr dominant ist, seine Jugend lässt sich nicht verbergen, wodurch die subtileren Noten schnell untergehen.

Scapa Glansa: Scapa steht im Schatten der Highland Park-Brennerei und stellt traditionellerweise keinen rauchigen Single Malt her. Das ist eigentlich auch beim Glansa nicht anders, doch wurde er in Fässern nachgereift, in denen vorher rauchiger Whisky gelagert wurde. Das gibt ihm ein ganz zartes Raucharoma, wenn auch keines, dass einen Islay-Fan genug sein dürfte. Dennoch punktet vor allem die Nase durch beachtliche Komplexität.

Paul John Peated Select Cask: Ein rauchiger Inder … Indien ist der bei weitem größte Whisky-Produzent der Welt, obwohl die Masse davon grottenschlecht ist. Dieser hier jedoch ist ein ganz vorzüglicher Vertreter der indischen Kunst, Whisky zu brennen. Trotz der beachtlichen 55,5% ist er sehr mild und bietet eine beeindruckende Bandbreite an süßlichen Aromen, die mit dem würzigen Rauch fast überraschend gut harmoniert.

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