Presseschau I: Whisky und Frauen in den Medien

Frauen, die Whisky trinken sind – offenbar – noch etwas Bemerkenswertes. So nimmt es nicht Wunder, dass der deutsche Journalismus sich bisweilen dieses Themas annimmt. Die entsprechenden Artikel zeichnen sich leider nicht immer durch Sorgfalt, Sachlichkeit oder gar tiefergehende Recherche aus.

 

Best of Playboy

 

Den Aufschlag macht der Focus. Er liefert unter dem Titel „Mythos 6: Frauen mögen keinen Whisky“ nichts weniger als eine „Kulturgeschichte des weiblichen Whisk(e)y-Genusses“. Das ist schon mal eine Ansage.

Leider ist die Ansage der Kategorie „Best of Playboy“ untergeordnet. Dementsprechend flach fällt der Inhalt auch aus. Platituden wie „Whisky mutiert vom Macho-Treibstoff zum edlen Genießerdrink“ gehen Hand in Hand mit Verallgemeinerungen wie „karrierebewusste[n] Powerfrauen, die Single Malt trinken“ oder „Bourbon wird häufig unter Partydamen […] genossen“. Es fehlt jede Sachlichkeit. Eva Sichelschnitt mag „eines der elegantesten Fachgeschäfte der Republik“ führen, die kulturgeschichtlichen Implikationen dieser subjektiven Einschätzung erschließen sich mir aber nicht. Oder wird hier nur dem Sexismus gefrönt? Ist es ungewöhnlich, dass Frauen einen stylischen Laden führen? Wer entscheidet eigentlich darüber, was elegant ist?

Sowas mit „Kulturgeschichte“ zu überschreiben, ist schon sehr gewagt. Ich glaube, selbst der Playboy wäre sich dafür zu schade.

 

Stereotype, Stereotype … 

 

Vom Playboy geht es zur Huffington Post. Sie rühmt sich u.a. ihrer Sensibilität in Fragen der kulturellen Vielfalt. So findet sich dort als Blogeintrag Anerkennung „Für Frauen, die Whiskey trinken“. Im (feministischen?) Eifer wird beklagt, dass Frauen angeblich nur in Rot- und Weißweintrinkerinnen unterschieden würden und die Whiskytrinkerin fehle. Das könnte ich so unterschreiben, aber alles nach dem Einführungssatz ließ mich verstört und erschüttert zurück.

Hier werden völlig ohne jede empirisch verifizierbare Basis und ohne jede erkenntliche Theorie Eigenschaften von Frauen aufgelistet, die ihnen allein ob ihres Whisky-Genusses zugeschrieben werden. „Frauen, die Whiskey trinken, sind Romantikerinnen“. Also, Webmaster dieser Seite ist Karen und die ist definitiv keine Romantikerin. Ist sie keine Frau, die Whisky trinkt? HuffPost verallgemeinert nur.

Weitere Perlen der plumpen Pauschalisierung:

 

„Eine Whiskey-Trinkerin war schon einmal blond. Und rothaarig. […] sie liebt es, mit ihrer Mähne zu experimentieren.“ (Auch hier ist Karen mal wieder ausgeschlossen…)

„Frauen, die Whiskey trinken, lachen aus ganzem Herzen.“ (Ist das im Gegensatz zu diesen falschen Gin-Bitches zu sehen?)

„Eine Whiskey-Trinkerin lässt sich nicht von den Stereotypen anderer Menschen definieren.“

 

Gerade der letzte Satz wirkt hochnotpeinlich nach einer Aufreihung von Stereotypen über Whisky-Trinkerinnen. Natürlich weiß ich, dass dies kein ernsthafter Versuch zum Journalismus sein soll (also eigentlich hoffe ich das mehr, als dass ich mir sicher bin …), aber ganz genreunabhängig unterläuft der Artikel intellektuelle Standards.

 

Beeindrucke Deinen Freund!

 

Geradezu gruselig ist dann die Überschrift: „Whisky für Frauen. So wirst du deinen Freund beeindrucken“, zu finden in der Bunten. Die Bunte hält niemand für eine Hochburg des Qualitätsjournalismus, erstaunlicherweise aber ist das Interview unter dieser Überschrift richtig gut.

Der Interviewpartner, Dr. Bill Lumsden von Glenmorangie, antwortet differenziert und durchdacht auf vermeintlich einfache Fragen. Statt subjektiv-geprägte Behauptungen als Fakt auszugeben, wägt Lumsden Sachargumente und persönliche Eindrücke ab: „Ich glaube, vor allem jüngere Leute empfinden den intensiven Geschmack als Herausforderung. Ich glaube, man muss mindestens in seinen 20ern sein, damit die Geschmackspalette weit genug entwickelt ist.“

Eigentlich eine Schande, dass dieses Interview mit so einer Überschrift abgedruckt ist. Hier muss die Redaktion sich die Frage gefallen lassen, ob sie glauben, dass Frauen wirklich nur Whisky trinken wollen bzw. sollen, um ihrem Partner zu imponieren. Lumdsens Antworten laufen zum Glück auf das genaue Gegenteil hinaus, nämlich dass Genuss an oberster Stelle steht.

 

Männerdomäne Whisky?

 

Überhaupt sind Interviews die besseren Formate, da hier Kennerinnen und Kenner zu Wort kommen. Lesenswert sind Deborah Stewarts Ausführungen im Prestige Magazin („Die Whisky-Botschafterin“). Leider wird sie mit etwas altbackenen Fragen konfrontiert. So erkundigt sich die Redaktion danach, wie Stewart „als Frau“ in einer vermeintlichen „Männerdomäne“ lebt und welche Reaktionen sie erfahre. Die Frage ist nicht nur geistig in den 80ern steckengeblieben, sondern ziemlich realitätsfern. Stewart antwortet entsprechend energisch: „Kein bisschen. Heutzutage bedeutet das Geschlecht nichts und es ist für mich sehr ungewöhnlich, die einzige Frau zu sein […] Von den zahlreichen Menschen, die ich in der Whisky-Industrie kenne, bestehen nur wenige Rollen, in die Frauen nicht involviert sind.“ (Ich frage mich, ob hier die Übersetzung etwas gelitten hat).

Besonders spannend ist jedoch, welchen Whisky sie persönlich mag. Denn es sind nicht die schweren sherrylastigen oder stark rauchigen Vertreter, sondern runde und milde Abfüllungen wie der Glenlivet 16 Nadurra, der in Bourbonfässern reife. Fairerweise müsste aber auch gesagt werden, dass sie als Angestellte von Pernod-Ricard freilich die firmeneigenen Produkte nennt, die ohnehin selten rauchig sind.

 

Fazit

 

Was zeigt diese kleine Presseschau? Sie ist vielleicht nicht ganz fair gegenüber den jeweiligen Journalisten, doch eines kristallisiert sich deutlich heraus: es gibt immer noch das Bedürfnis, whiskytrinkende Frauen in bestimmte Schubladen stecken zu wollen. Es hilft nichts, dass es nunmehr positiv konnotierte Schubladen sein sollen, z.B. die einsame Wölfin in der Männerdomäne oder die Romantikerin.

Dies wird der Vielfalt der Whiskywelt und ihrer Genießerinnen einfach nicht gerecht.

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