Isarnhoe Kuling

Rye Whisky aus dem hohen Norden

Deutscher Whisky. Der ewige Traum

In Schnellmark an der Eckernförder Bucht gelegen, hat die Isarnhoe Destillerie eine Geschichte, die zunächst allzu bekannt erscheint. In den späten 2000ern, also gegen Ende des Großen Deutschen Whiskybooms, erwarb Ralf Stelzer eine Brennerei mit dem Fernziel der Whiskyproduktion. Er experimentierte mit der zunächst offenen Brennerei, bevor 2012 ein Zollverschluss wesentlich größere Handlungsfreiheit ermöglichte. Der Verschluss wurde von Stelzer selbst hergestellt, denn er ist von Hause aus Schmied, der sich die Kunst der Destillation aneignete. Der ewige Traum vom deutschen Whisky lockte auch ihn.

Sympathisch ist dabei, dass Single Malt nicht als ein als über allem thronendes Ideal angesehen wurde, das es zu erreichen galt. Zu Recht verweist man in Schnellmark darauf, dass der Scotch Single Malt wie wir ihn kennen eine recht junge Erscheinung ist. Wesentlich älter und geschichtsträchtiger ist dagegen der Roggenwhisky aus den USA, den die Siedler dort brannten, weil Gerste erst spät in Amerika kultiviert wurde. Der Vollständigkeit halber sei hier aber noch angemerkt, dass dies nur die halbe Wahrheit ist: viele der frühen Brenner in der Neuen Welt waren zentraleuropäischer Abstammung (dutch, also Deutsch oder Holländisch), wie Jacob Böhm aka Jim Beam oder Georg Dickel. Natürlich kannten und schätzten sie den Roggen aus ihrer Heimat.

Das tut auch Stelzer, der auf der Suche nach einer typisch deutschen Maische folgerichtig zum Roggen kam. Manchmal braucht es keinen Historiker, manchmal tut es der Zufall. Doch verweigert sich die Brennerei keineswegs dem Gerstenmalz. Auch Dinkel und Hafer wird verwendet. Trotzdem freut uns besonders, dass dem Roggen so eine zentrale Rolle zugedacht ist. Grundsätzlich zeigt sich die Brennerei experimentierfreudig: der Secale Rye etwa lag in einem Rotweinfass, das nach der Leerung zunächst mit Met belegt wurde, bevor das Roggendestillat darin für drei Jahre reifte. Genauso wünschen wir uns deutschen Whiskyunternehmergeist!

Klare Designsprache

Kuling: Nun vier Jahre alt

Der vorliegende Kuling nutzt exakt dieselbe Fassreifung, also ein mit Met gesättigtes Rotweinfass. Dies ist für uns neu. Wir haben den Effekt eines Metfasses bei Glina erleben dürfen und den eines Rotweinbarriques auf ein Roggendestillat kennen wir dank Finch inzwischen recht gut. Der Finch Rye lag für vier Jahre im Fass, so wie der Kuling, der ein Jahr länger als der Secale lagerte.

Ein weiterer Unterschied zum Secale ist die Alkoholstärke, die mit 60,5% ABV selbst die größten Fans der Cask Strength zufriedenstellen sollte. Den Namen Kuling, also Sturmbö, hat sich dieser Whisky wohl verdient. Das ist eine ebenso mutige wie richtige Entscheidung. Massentauglich ist Fassstärke nie, aber das ist deutscher Whisky eh selten genug. Gerade eine kleine Brennerei ohne größeres Marketingbudget tut gut daran, zuerst die hartgesottenen Fans zu gewinnen. Und die wollen Fassstärke. Also liegt uns wieder eine neue Variation des deutschen Rye Whiskys vor, diesmal stark und mit Süße versprechenden Fässern. Es wird bald Zeit für unseren ersten Jahresbericht zum deutschen Rye Whisky…

Nase

Zwar haben die 60,5% ABV Kraft, ja nackte Aggression strahlen sie aus, allerdings stechen sie kein bisschen. Frische rote Früchte bedrängen die Nase, begleitet von nasser Pinie und Zitronengras, aber auch Wachholder. Über allem liegt jedoch eine helle Süße, die an Akazienhonig erinnert und bisweilen zudringlich wirkt. Dazu Zuckerwatte und … angebrannter Gummi, wenn auch letzterer nur leicht und erstaunlich gut passend.

Der Whisky macht seinem Namen Sturmbö doch alle Ehre. Rye darf gern kraftvoll sein; das ist eine tolle Nase, gleichwohl Fans ausbalancierter Scotches ihre Schwierigkeiten damit haben dürften.

Geschmack

Im Mund zeigt der Kuling erneut Kraft, jedoch nicht auf dem Niveau, das die Nase suggerierte. Hier übt er sich in Zurückhaltung. Er verliert zudem an Süße, was erstaunt, und wirkt deutlich kräuteriger. Überhaupt scheint sich das Destillat stärker Geltung zu verschaffen, da einige New Make-typische Noten durchdrücken, wie Minze und eben Wachholder. Pinie und Zitronengras, Zuckerwatte und Akazienhonig finden sich aber nach wie vor.

Abgang

Mittellang, wieder in Richtung Kräuter, die an Gin erinnern.

Wieder ein mutiger deutscher Rye

Fazit: Starker Whisky, nicht für jeden

Das ist ein starker Whisky und das nicht nur wegen des Alkoholgehaltes. Wer Rye Whisky mag, wird sich an der Nase erfreuen können, vor allem an der hellen Honigsüße, die den Kuling positiv hervorhebt. Allerdings scheint er noch nicht die richtige Balance von Destillatscharakter und Fasseinfluss gefunden zu haben, jedenfalls geht letzterer im Mund immer weiter zurück. Das muss kein Malus sein, so ganz rund wirkt es aber eben auch nicht. Da er mit gewaltiger Kraft antritt, fällt es ohnehin kaum ins Gewicht. Es ist ein wirklich stürmischer Whisky.

Dies sind erwartbare Geburtswehen einer jeden jungen Brennerei. Tatsächlich läuft es sogar im gelobten Whiskyland der Schotten kaum anders, wenn man sich an neuem Rye versucht. Mit mehr Erfahrung wird sich dies schnell ändern und schon jetzt beweist der Kuling das Potential des Konzeptes und der Fassauswahl.

Isarnhoe bietet eine schöne Vorschau auf eine Spielart des deutschen Ryes, die uns viel Freude machen wird. Fans eines starken, ungewöhnlichen Ryes kann er schon jetzt faszinieren. Wir werden jedenfalls genau im Auge behalten, was der hohe Norden der Republik noch für Rye Fans bringen wird.

Die Flasche wurde uns kostenfrei von der Isarnhoe Destillerie zu Zwecken der Rezension bereitgestellt. Wir danken!

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