Western Gold: ein guter Bourbon?

Gerade einmal 6,99€ kostet der Western Gold Bourbon bei Lidl. Der bekannte Jim Beam (White) schlägt mit dem Doppelten zu Buche und der ist schon kein spektakulärer Bourbon. Was also ist vom Western Gold zu erwarten?

Es handelt sich um eine Lidl-Marke von einer nicht offiziell benannten Brennerei. Die Abfüllung in rauen Mengen unter der Ägide des Lidl-Imperiums erklärt auch den günstigen Preis, insofern muss keineswegs ein schlechter Bourbon drin stecken. Doch finden sich auf dem Etikett eine Reihe von Warnzeichen, die den Whisky-Genießer abschrecken.

 

So ist der Whiskey zwar in den USA gebrannt und gereift worden, nicht aber abgefüllt. Allein das erlaubt, viele qualitätssichernde Bestimmungen zu umgehen, die sonst Bourbon charakterisieren. In erster Linie ist hier an den Farbstoff E125 zu denken.

 

Auch könnte man auch die eventuell irreführende Beschriftung thematisieren, doch das würde hier zu weit führen. Wir reden immerhin von 7,50 €. Das Lidl spart, wo es nur kann, versteht sich von selbst. (Wer sich dennoch für diese Tricksereien im Detail interessiert, mag dies gern in die Kommentare schreiben!) Die entscheidende Frage lautet: was ist im Glas?

 

Western Gold – Lidls Bourbon Whiskey

 

Nase

Für einen Bourbon ist der Western Gold erstaunlich dezent. Man könnte auch sagen erstaunlich dünn. Eine diffus-süßliche Note überlagert vieles, am ehesten erinnert sie an Vanille. Das wäre für Bourbon typisch, jedoch fehlt mir ein wenig das Karamell-Aroma. Es ist zwar da, aber nicht in der zu erwartenden Klarheit.

Interessant ist, was unter dieser klebrigen Süße liegt. Man muss dem Western Gold etwas Zeit geben, dann enthüllt er weitere Nuancen, besonders überreife Früchte und sogar etwas Würze. Jedoch bleiben auch diese Noten sehr diffus. Es erinnert ein wenig an Fruchtkompott, das mit viel Zucker gemacht ist. Die Würze mag von der Eiche herrühren, immerhin reift Bourbon in frischen Eichenfässern. Deren Einfluss ist sonst aber marginal.

Je länger man riecht, desto stärker bricht zudem eine alkoholische Schärfe durch, die sich in der Nase unangenehm bemerkbar macht.

Davon abgesehen allerdings ist das Bouquet des Western Gold durchaus beachtlich. Es fehlt zwar eine klare Linie, da alles von einer klebrigen Süße dominiert ist, aber unangenehm fällt der Bourbon selten auf. Diese Nase ist sein Geld mehr als wert.

Geschmack

Eines muss man dem Western Gold lassen: er ist konsequent. Ich könnte die Beschreibung seiner Nase fast 1-zu-1 kopieren, so sehr ähneln sich Geruch und Geschmack.

Zunächst fällt auf, dass er wirklich recht dünn ist. Vanille und, diesmal etwas deutlicher, Karamell sorgen für ein klassisches Bourbon-Erlebnis, gleichwohl die gezuckerten, überreifen Früchte nun fast gänzlich in den Hintergrund treten. Dafür kommt die Eiche etwas stärker, wobei sie erneut eine Würze mitbringt, die einen wirksamen Kontrast zur Süße erzeugt.

Leider ist das Ganze doch etwas zu wässrig, um wirklich zu überzeugen. Und vor allem diejenigen, die gerade Whiskey für sich entdecken, dürften die alkoholische Schärfe auf der Zunge als zu dominant empfinden. Tatsächlich verdeckt sie die würzigen Noten fast komplett.

Es steht zu vermuten, dass der Whiskey nicht allzu lange reifte. Das ist sehr schade, da der Western Gold wirklich an der Grenze zu einem auch für Genießer pur trinkbaren Bourbon steht.

Abgang

Auch hier kann der Western Gold nicht an seine vielversprechende Nase anknüpfen. Der Abgang ist kurz, wässrig und leider auch etwas metallisch. Die Süße verschwindet sehr schnell, die Würze ist gar nicht erst da. Der Abgang ist damit der schwächste Part dieser Abfüllung.

Empfehlung: Für wen ist der Western Gold?

Der Western Gold ist sein Geld wert, soviel steht fest. Für Fans des Kentucky Straight Bourbon wird hier zu wenig geboten, um wirklich pur genossen zu werden, bereuen wird das aber auch keiner. Der Western Gold schrammt haarscharf an einem soliden Bourbon vorbei und leidet an zu kurzer Reifezeit.

Für Cocktails und Longdrinks dagegen darf eine klare Empfehlung ausgesprochen werden. Die Qualitätsunterschiede zu etwa einem Jim Beam (White) verschwinden in diesem Rahmen, sodass der Western Gold eine günstige Alternative ist. Ebenso eignet er sich hervorragend zum Backen und Kochen.

Und ein weiterer Vorzug sei genannt: für diesen Preis gibt es nichts Besseres in Sachen Whisky. Sowohl die direkten Konkurrenten im American Whisky-Segment, als auch die ähnlich gepreisten Scotch- und Canadian Whisky-Alternativen unterliegen dem Western Gold qualitativ sehr deutlich. Lidl gebührt, bei aller Kritik, Lob dafür, dass sie keinen American Blend o.ä. verkaufen. Mit dem Label Bourbon bleiben sie über einer gewissen Wassermarke in Sachen Qualität.

1 Comment

  • Glenalba (23 Jahre) 25. März 2019 at 23:26 Reply

    […] Lidl Whisky in den unteren Preisregionen anbieten kann, ist wahrlich nicht überraschend. Seit einiger Zeit allerdings beglückt uns der […]

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